Der stellvertretende thüringische CDU-Fraktionschef Michael Heym hat eine Zusammenarbeit mit der AfD und der FDP ins Gespräch gebracht. Heym sagte MDR Thüringen, alle Optionen müssten nach dem Wahlergebnis geprüft werden. Auch eine Koalition aus CDU, FDP und AfD könnte eine Mehrheit bilden. Allerdings wäre ein solches Bündnis nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, sagte Heym dem Bericht zufolge. Welche das konkret seien, habe er nicht sagen wollen.

Heym ist der erste führende CDU-Landespolitiker in Thüringen, der eine Zusammenarbeit mit der AfD als Option sieht. CDU-Landeschef Mike Mohring und auch die Thüringer FDP schließen eine Koalition mit der AfD aus. "Mit denen werden wir nicht zusammenarbeiten", hatte Mohring vor der Wahl gesagt. "Ich finde: Höcke ist ein Nazi." Der Landesvize Mario Voigt sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): "Es gibt keine Koalitionen mit der Linkspartei oder der AfD. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Es darf keinen Wortbruch geben." Mohring will dagegen das Gespräch mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) suchen. Über Gesprächsangebote in Richtung Linkspartei sei er irritiert, kritisierte Voigt vor diesem Hintergrund.

Unterstützung erhielt Mohring aus Berlin. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer verwies zwar auf einen Beschluss des CDU-Bundesparteitages, der Koalitionen mit der AfD und der Linkspartei ausschließt. Gleichzeitig nannte sie es eine "parlamentarische Selbstverständlichkeit", dass Ramelow mit der CDU über die künftige Regierungsbildung sprechen und dass Mohring das Gespräch führen wolle.

AfD will CDU als Juniorpartner

Die AfD nutzte die Diskussion innerhalb der CDU, um sich selbst ins Spiel zu bringen. Der rechtsnationale AfD-Politiker Björn Höcke sagte, seine Partei sei in Thüringen "bereit, Verantwortung zu übernehmen". "Das Angebot steht", fügte er hinzu. Die AfD habe immer deutlich gemacht, dass sie regieren wolle: "Wir sind nicht auf Opposition abonniert." In einer Konstellation mit der CDU als Juniorpartner "könnten wir es wagen", sagte Höcke. AfD-Chef Alexander Gauland hat am Wahlabend mit Blick auf die CDU gesagt, es gebe "eine bürgerliche Mehrheit in Thüringen". Wenn die CDU "den Mumm hätte, könnten wir zusammen regieren".

"Für uns als Union ist klar, dass die AfD für uns kein Gesprächspartner ist", sagte dagegen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Er hat im vorigen Jahr mit Äußerungen für einen pragmatischen Umgang mit der Linken im Osten teils heftige Kritik in den eigenen Reihen ausgelöst. Nun sagte Günther, die CDU habe klare Parteitagsbeschlüsse, die Koalitionen jeder Art mit der Linkspartei ausschließen würden. Dennoch sei sie nach der Landtagswahl vom Sonntag in der schwierigen Situation, dass sie sich nicht wegducken könne und Verantwortung übernehmen müsse.

In Thüringen wurde die Linke erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl. Für die Fortsetzung der rot-rot-grünen Koalition reicht es allerdings nicht. Da alle Parteien eine Zusammenarbeit mit der zweitplatzierten AfD ausgeschlossen haben, ist eine Regierungsbildung nur möglich, wenn CDU oder FDP mit den Linken kooperieren, per Koalition oder Duldung einer Minderheitsregierung.