Im sächsischen Zwickau ist ein Gedenkbaum in Erinnerung an das erste NSU-Mordopfer Enver Şimşek abgesägt worden. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) äußerte sich bestürzt und verurteilte die "ruchlose Tat".

"Das Absägen des Baumes zeugt von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen", teilte Findeiß mit. "Es zeigt auch, dass manche leider nicht begriffen haben, welch menschenverachtende Taten die Terroristen des NSU begangen haben."

Die Eiche war erst am 8. September in Erinnerung an Şimşek gepflanzt worden. Die Stadtverwaltung teilte mit, es lägen derzeit keine Erkenntnisse über die genaue Tatzeit und den oder die Täter vor. Die Stadt werde Anzeige erstatten.

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler Şimşek im September 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds mit zehn Toten. In Zwickau, wo das NSU-Trio Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe jahrelang gelebt hatte, sollten für alle zehn Opfer Bäume gepflanzt werden.

Thüringens Innenminister Maier sieht noch viele offene Fragen in NSU-Mordserie

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hält die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) noch nicht für restlos aufgeklärt. So lasse der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 "noch viele Fragen offen", sagte Maier der Zeitung Die Welt. Es gebe "in diesem Komplex so viele Sachverhalte, dass ich nicht mehr an Zufälle glauben kann".

Dass der NSU in den Jahren 2000 bis 2007 in Deutschland zehn Menschen ermorden konnte, sei für ihn auch eine Folge von Staatsversagen, sagte Maier. Den Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag nannte der Landesinnenminister "ein katastrophales Zeugnis behördlicher Arbeit".

Der SPD-Politiker sagte, er mache sich "große Sorgen um die Entwicklung im rechtsextremistischen Milieu". Die neuen Gefahren seien "keine simple Fortsetzung des NSU". Sie hätten aber "wie damals sehr viel mit Wegschauen und Gleichgültigkeit zu tun". Gerade im ländlichen Raum würden Neonazis heute unverhohlen auftreten und versuchen, in bürgerliche Milieus einzusickern.