Kurz nach der Zerstörung eines Baumes zum Gedenken an das erste Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU ist in Zwickau auch das vorübergehend aufgestellte Provisorium zur Erinnerung an die Opfer stark beschädigt worden. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurde die erst am Freitag aufgestellte Holzbank mit einer Inschrift zum Gedenken an die NSU-Opfer zerstört. Die Tat habe sich in der Nacht ereignet. Der Staatsschutz hat nach Angaben der Polizeidirektion Zwickau die Ermittlungen übernommen.

Am Freitag war in der sächsischen Stadt ein Baum abgesägt worden, der am 8. September in Erinnerung an das erste Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), Enver Şimşek, gepflanzt worden war. Politiker hatten die Tat bundesweit verurteilt. Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) sagte, das Absägen zeuge "von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen". Zudem zeige sich, "dass manche leider nicht begriffen haben, welch menschenverachtende Taten die Terroristen des NSU begangen haben".

Die Terrorgruppe hatte jahrelang unerkannt in Zwickau im Untergrund gelebt. Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler Şimşek im September 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der Mordserie des Terrortrios mit insgesamt zehn Toten. Unter den Opfern waren neun Ausländer und eine deutsche Polizistin. In Zwickau sollten für alle zehn Opfer Bäume gepflanzt werden.

Zschäpe war als einzige Überlebende des Trios Mitte 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Böhnhardt und Mundlos hatten sich nach einem Banküberfall im November 2011 in Eisenach selbst getötet.