AfD-Chef Jörg Meuthen ist in seinem Amt bestätigt worden. Bei der Wahl der neuen Parteispitze auf dem Parteitag in Braunschweig konnte sich der Wirtschaftswissenschaftler am Samstag gegen mehrere Konkurrenten mit knapp 70 Prozent klar durchsetzen. Meuthen erhielt 404 Stimmen der Delegierten. Damit erreichte er fast sein Ergebnis von 2017, als er 72 Prozent bekam.

Parteichef Alexander Gauland hatte in seiner Eröffnungsrede gesagt, er mache Platz für einen Jüngeren. Als sein Wunschkandidat gilt der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Gegen ihn will unter anderem die niedersächsische Landeschefin Dana Guth antreten. Gaulands Co-Parteichef Meuthen trat zur Wiederwahl an, gegen ihn kandidierte die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst. Sie empfahl sich den Delegierten mit den Worten: "Ich bin mit Leib und Seele Deutsche."

Kurzfristig seine Kandidatur angemeldet hatte zudem der Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio, der wiederholt als rechter Scharfmacher in Erscheinung getreten ist. Er will gegen Chrupalla antreten, ebenso wie Wolfgang Gedeon aus Baden-Württemberg. Gegen Gedeon läuft ein Ausschlussverfahren wegen Antisemitismus- und Rassismusvorwürfen.

Mit der Vorstandswahl werde ein teilweiser Generationswechsel vollzogen, sagte Gauland vor den rund 570 Delegierten. In einem Rückblick behauptete der 78-Jährige: "Wir haben geschafft, was niemand 2013 für möglich gehalten hätte." Die AfD habe das Land verändert und den Menschen eine Stimme gegeben, die sich "kaum noch trauten, der Auflösung unsere Nationalstaats in der Merkelschen Willkommenskultur zu widersprechen".

Die letzte Option der CDU?

Gauland sagte mit Blick auf künftige Regierungskoalitionen, es werde "der Tag kommen, an dem eine geschwächte CDU nur noch eine Option hat: uns." Es sei damit zu rechnen, "dass einfache Mitglieder ihrer Führung die Frage nach bürgerlichen Mehrheiten stellen". Gauland verwies auf entsprechende Forderungen von CDU-Kommunalpolitikern nach der Landtagswahl in Thüringen. Das sei erst der Anfang gewesen.

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke erneuerte sein Angebot der Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung in dem Bundesland. "Wir sind bereit, einen großen Schritt in Richtung der Union zu tun", sagte Höcke dem TV-Sender Phoenix. Seine Partei würde ohne Vorbedingungen in Gespräche mit der CDU gehen, "und wer dann Ministerpräsident wird, muss sich aus diesen Gesprächen ergeben". 

Der Parteitag begann nach mehrstündigen Satzungsdebatten und Schiedsgerichtswahlen am Samstagnachmittag mit den Vorstandswahlen. Die Besetzung der anderen elf Posten im Bundesvorstand der Partei soll bis Sonntagnachmittag abgeschlossen sein. Gegen die AfD demonstrierten 15.000 Menschen in Braunschweig.