Die weitergehende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz rückt offenbar näher. Dies berichtet der Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Demnach tragen das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und die jeweiligen Landesämter der Bundesländer zusehends Belege zusammen, die aus ihrer Sicht für eine Verfassungsfeindlichkeit sprechen. Laut den Recherchen gilt eine weitergehende Beobachtung in Verfassungsschutzkreisen "inzwischen als höchst wahrscheinlich". Die Entscheidung darüber soll spätestens im kommenden Frühjahr fallen.

Wie die SZ, NDR und WDR schreiben, ist die AfD bei den Tagungen der Verfassungsschützer eines der Hauptthemen. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der völkisch-nationalistische Flügel um den Thüringer AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke. Zusammen mit der Jungen Alternative gilt dieser seit Jahresbeginn als sogenannter Verdachtsfall auf Extremismus – was einer Vorstufe zu einer förmlichen Beobachtung gleichkommt.

Zuletzt hatte BfV-Präsident Thomas Haldenwang vor einer weiteren Radikalisierung des Flügels gewarnt. Dieser werde "immer extremistischer", sagte er Mitte Oktober dem Spiegel. An der ursprünglichen Einschätzung der Verfassungsschützer habe sich deshalb nichts geändert – "ganz im Gegenteil". Der Verfassungsschutzchef umschrieb das Vorgehen der Neuen Rechten als "einen sehr intellektuellen Rechtsextremismus": Vordergründig distanziere sie sich von Gewalt, aber sie befördere die Verschwörungstheorie der "Umvolkung" und vermittle das Gefühl, dass etwas geschehen müsse, um solche vermeintlichen Entwicklungen zu stoppen. Das sei der "geistige Nährboden" für Taten wie den Anschlag auf eine Synagoge in Halle.

Offiziell gelten der Flügel und die JA als Verdachtsfall, die gesamte Partei als Prüffall. Die Süddeutsche zitiert einen Beamten, wonach alle in der AfD noch "auf Bewährung" seien. Die ersten Einschätzungen hätten sich indes "erhärtet", der nur lose organisierte Verband um Höcke habe seinen Einfluss auf den Rest der Partei ausgebaut, auch der zweite Flügel-Wortführer, Andreas Kalbitz, sei inzwischen unumstritten, der Widerstand der Gemäßigten sei erlahmt – "von Distanzierung keine Spur", wird ein ostdeutscher Amtsleiter zitiert.

Laut dem Rechercheverbund sollen die Flügel-Anhänger inzwischen die Landesverbände in Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt dominieren und auch in Westdeutschland immer mehr Zuspruch erhalten. Der bayerische Verfassungsschutz berichtete demnach von einem Treffen Anfang Mai in Greding, bei dem nach einem Auftritt von Björn Höcke "das Deutschlandlied, beginnend mit dem Text der ersten Strophe, über die Lautsprecheranlage eingespielt" wurde.