Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Gedenkort für die NSU-Opfer in Zwickau besucht. Merkel legte dort eine Blume nieder und gedachte der von den Rechtsterroristen getöteten Menschen. In der sächsischen Stadt, in der die NSU-Terrorzelle jahrelang lebte und ihren letzten Unterschlupf hatte, wurden für zehn NSU-Opfer Bäume gepflanzt und Gedenktafeln angebracht. Erst am Sonntag war der neue Gedenkort eingeweiht worden.

Beim Besuch der neuen Gedenkstätte sagte Merkel, es sei Aufgabe des Staates, entschieden gegen solche Gewalttäter vorzugehen. Sie wolle für die ganze Bundesregierung betonen, "dass wir alles tun werden (...), damit sich solche Dinge nicht wiederholen". Neben der Politik müssten aber auch die Bürger Stellung gegen Rechtsextremismus beziehen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der die Kanzlerin begleitete, betonte, Sachsen sei "ein fröhliches, weltoffenes Land – und das muss auch so bleiben". "Wir stellen uns Rechtsextremismus entschieden entgegen, für Demokratie, Meinungsfreiheit, eine offene Diskussionskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt", schrieb Kretschmer auf Twitter.

Anfang Oktober war in der Stadt ein erst kurz zuvor gepflanzter Gedenkbaum für das erste NSU-Mordopfer Enver Şimşek abgesägt worden. Ein Täter wurde bisher nicht gefasst. Die Stadt richtete ein Spendenkonto ein, auf dem bislang rund 14.000 Euro eingingen. Davon wurden nun die Gedenkbäume und Erinnerungstafeln finanziert. Der Stumpf des abgesägten Baums blieb zunächst als Mahnung stehen.

Vor acht Jahren wurde der NSU der Öffentlichkeit bekannt

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler Şimşek im September 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der NSU-Mordserie mit insgesamt zehn Todesopfern. Auch in anderen Städten gibt es Gedenkorte für die NSU-Opfer. Berichten zufolge gab es bereits in fünf der acht Städte mit solchen Mahnmalen Schändungen der Gedenkorte.

Vor acht Jahren wurde der Nationalsozialistische Untergrund erstmals in der Öffentlichkeit bekannt. Am 4. November 2011 begingen Böhnhardt und Mundlos nach einem Überfall auf eine Bank in Eisenach in einem Wohnmobil mutmaßlich Suizid. Am selben Tag kam es zu einem schweren Brand im letzten Unterschlupf des Trios in Zwickau, der vermutlich vom NSU-Mitglied Beate Zschäpe gelegt wurde, um Beweismittel zu vernichten. Zschäpe verschickte mehrere Bekenner-DVDs. Nach mehrtägiger Flucht stellte sie sich am 8. November. Im Sommer vergangenen Jahres wurde Zschäpe in München zu lebenslanger Haft verurteilt.