Die Kandidatin für den SPD-Vorsitz, Klara Geywitz, hat Kanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, ihre Gegner durch Schlafentzug zermürben zu wollen. "Bei Angela Merkel sind Verschleppung von Entscheidungen und Schlafentzug ein Mittel der Politik", sagte die Co-Kandidatin von Olaf Scholz der Bild am Sonntag. "Aber es passt nicht mehr in die heutige Zeit, dass fast jeder Koalitionsausschuss bis Sonnenaufgang dauert und die Politiker dann mit sehr kleinen Augen ihre angeblich genialen Kompromisse, die sie nachts um 5 Uhr treffen, verkünden. Das geht besser und gesundheitsschonender."

Am Donnerstag war der CDU-Politiker Matthias Hauer während einer Plenarsitzung im Bundestag zusammengebrochen. Etwas später erlitt eine Abgeordnete der Linken einen Schwächeanfall. Mehrere Politiker haben seitdem eine Begrenzung der Sitzungszeiten des Parlaments gefordert. Mit den Nachtsitzungen "sollten wir aufhören", sagte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) dem Münchner Merkur. "Mitternacht sollte Schluss sein."

Für eine Verkürzung der Debattenzeit sprachen sich auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der Stuttgarter CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann aus. Wenn von 8 bis 23 Uhr getagt werde, seien das immer noch 15 Stunden Arbeitszeit, sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Der CSU-Abgeordnete und Arzt Stephan Pilsinger ist ebenfalls für eine Begrenzung der Debattenzeit. Er forderte zudem eine Änderung der Bundestagsgeschäftsordnung. "Eine oder mehrere zusätzliche Sitzungswochen könnten den engen Terminplan entzerren", sagte Pilsinger der Augsburger Allgemeinen.

Politiker von Union, SPD und Linke machen dafür auch die AfD verantwortlich und werfen ihr vor, unnötige Debatten auf die Tagesordnung zu bringen. Lauterbach verwies auf die Debatte zur Rettung des Bargelds, während der Hauer zusammengebrochen war. Diese hatte die AfD beantragt. Dabei wolle niemand im Bundestag das Bargeld abschaffen, sagte Lauterbach. "Früher wurden Reden zu Themen, bei denen Einverständnis besteht, meist zu Protokoll gegeben", sagte Pilsinger. Die AfD bestehe darauf, zu allen Themen auch zu sprechen. "Ich denke, denen geht es dabei vor allem darum, Material für ihre Videoclips zu produzieren."