Wegen erheblicher Lücken in der Bedienungsleitung will die Bundeswehr ihren neuen Marinehubschrauber NH90 Sea Lion vorerst nicht in Betrieb nehmen. Bei der Wartung seien in der sogenannten Technischen Dokumentation an 150 Stellen "Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. "In der Summe handelt es sich hierbei um erhebliche Fehler, die einen sicheren Flugbetrieb des Hubschraubers nicht erlauben", teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.

Als Beispiel nannte die Bundeswehr fehlende Angaben dazu, mit welchem Fett bewegliche Bauteile des Hubschraubers geschmiert werden sollten. Auch bleibe offen, wie oft dies geschehen müsse. Der Hersteller Airbus habe zugesagt, "die noch erheblichen Fehler in der Dokumentation schnellstmöglich zu beheben", erklärte die Bundeswehr weiter. Die Verzögerung habe "aktuell keine Auswirkungen auf die Herstellung der vollen Einsatzreife des Hubschraubers, die ab 2023 vorgesehen ist".

"Wir sind zwar grundsätzlich von der Leistungsfähigkeit des Hubschraubers NH90 Sea Lion überzeugt", teilte die Bundeswehr mit. Es könne jedoch "zum jetzigen Zeitpunkt ein Flugbetrieb durch die Frauen und Männer der Marine nicht verantwortet werden". Der Ausbildungsflugbetrieb soll nicht mehr in diesem Jahr starten, hieß es von den Streitkräften weiter. Denn oberste Priorität habe, dass die Soldatinnen und Soldaten sich auf ihr Gerät verlassen und es sicher handhaben könnten. "Im Falle des Sea Lion sehen wir diesen Maßstab durch den Hersteller noch nicht erfüllt."

Airbus will Fehler zeitnah beheben

"Die vom Ministerium genannten Punkte sind seit Längerem bekannt, und wir arbeiten bereits mit allen beteiligten Partnern an deren zeitnaher Behebung", teilte der Hersteller Airbus mit. Die Streitkräfte fliegen den NH90 schon länger. Airbus Helicopters hatte den ersten Sea Lion am 24. Oktober an das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr übergeben. Insgesamt hat die Armee 18 Maschinen dieses Typs bestellt. Die Technische Dokumentation soll alle Informationen enthalten, die zu Nutzung, Wartung und Reparatur eines Waffensystems nötig sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr Probleme mit Airbus hat. Mitte November hatte das Verteidigungsministerium bereits die Abnahme des Airbus-Militärtransporters A400M vorerst gestoppt und als Grund lockere Schrauben am Propeller genannt. Airbus erklärte auch damals, dass die Mängel bei einigen Flugzeugen bekannt seien.