"Niemand fällt ins Bergfreie", hat Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer viel umjubelten Parteitagsrede versprochen. Die schräg hinter ihr sitzende Vorsitzende der Frauen Union (FU), Annette Widmann-Mauz, wird das mit Interesse gehört haben. Denn die FU-Vorsitzende und all die an ihrer Seite, die man früher "Faltenrockgeschwader" genannt hat, haben ihr volles Gewicht an die nach oben kletternde CDU-Vorsitzende gehängt - und umgekehrt. Ohne die Stimmen der Frauen wäre AKK nicht, wo sie ist. Scheitert die Frauen Union, scheitert auch Kramp-Karrenbauer.

Ein Drittel der Macht für Frauen, jetzt bitte mal wirklich. Zum Leipziger Parteitag hat die FU für den Samstag einen Antrag eingebracht, aus dem einem die Ungeduld schon auf den ersten Zeilen entgegenspringt. Über die Forderung nach verbindlichen Frauenquoren "diskutieren wir seit dem Essener Parteitag von 1985," heißt es da gereizt.

Das war das Woodstock der CDU-Reformer, der Süssmuth, Geißler und Biedenkopf, als das Bild von der berufstätigen Frau in der CDU langsam seinen Schrecken zu verlieren begann. Elf Jahre dauerte es dann noch, bis ein weiches "Quorum" empfohlen wurde, und trotzdem sind beispielsweise unter den 21 CDU-Abgeordneten, die jetzt in Thüringen in den Landtag eingezogen sind, gerade einmal zwei Frauen.

Ein neidischer Blick auf die Grünen

Während viele FUlerinnen mit Neid zu den Grünen blicken, die seit ihrer Gründung alle Ämter paritätisch besetzen, verweisen die Gegner der Quote auf die SPD: "Bei den Sozialdemokraten sind die Frauen in den Duos ein nettes Beiwerk. Bei uns treffen sie die Entscheidungen: im Kanzleramt, an der Spitze der Partei, an der Spitze der Europäischen Kommission", ließ sich ein Delegierter nach den Reden von der Leyens, Merkels und AKKs vernehmen - mit anderen Worten: Was wollt ihr eigentlich noch? Jetzt ist langsam mal gut!

Die nackte Forderung nach einem Drittel der Macht wäre in Leipzig mit Sicherheit gescheitert. Markus Söder hatte eben in der CSU eine komplette Bauchlandung mit dem Thema erlebt, das wollte die Parteispitze der ohnehin angeschlagenen Vorsitzenden dringend ersparen. Die Junge Union (auch die Frauen), die Mittelstandsvereinigung und auch ein Großteil der Bundestagsfraktion ist strikt gegen jede Quote, sogar in der Frauen Union selbst und unter jüngeren Frauen gibt es Gegnerinnen. Es ist halt irgendwie nicht CDU, so eine Frauenquote.

Deshalb hat die FU sich darauf beschränkt, eine paritätisch besetzte Kommission zu fordern, die innerhalb eines Jahres praktische Vorschläge macht, wie mehr Frauen an die Hebel zu bringen wären. Dabei soll auch das heikle Thema der Direktmandate zur Sprache kommen.

Wie überzeugt man innerparteiliche Wähler von Frauen?

Keine Partei erringt so viele Direktmandate wie die Union. Eine paritätische Besetzung von Wahllisten, selbst wenn sie käme, würde an der Zusammensetzung der Fraktionen am Ende gar nicht viel ändern. Wenn aber die Wahlkreise zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden müssten, dann ginge es ans Eingemachte. An die Machtbasis. Wie es gelingen soll, den innerparteilichen Wählern klar zu machen, dass sie einer Frau den Vorzug geben sollen, wenn sie sich auf den Mann kapriziert haben, das lässt der Antrag wohlweislich offen.

Und während Ursula von der Leyen, die sich von der Partei nach Brüssel verabschiedete, noch einmal so laut für die Quote warb, dass AKKs Verlegenheit auch dem letzten vor Augen stand, repräsentiert von der Leyens Nachfolgerin im Präsidium der Partei den Gegentrend. Die 46-jährige Silvia Breher, Juristin, Tattoo-Trägerin und Mutter von drei Kindern, ist eindeutig gegen die Quote. Sie ist jetzt eine von fünf Stellvertretern der Parteichefin, die ankündigte, wer nichts für Frauen tun wolle, der müsse sich "mit mir auseinandersetzen".