CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat Fehler und schlechtes Krisenmanagement im ersten Jahr ihrer Amtszeit eingeräumt. "Das ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen. Das kann man an Umfragewerten sehen, das kann man natürlich auch an Diskussionen in der Partei sehen", sagte Kramp-Karrenbauer in einem kurz vor dem CDU-Parteitag in Leipzig veröffentlichten Interview für die ARD-Dokumentation Die Notregierung – Ungeliebte Koalition.

Kramp-Karrenbauer lastete sich unter anderem Versäumnisse zunächst beim Europawahlkampf im Frühjahr an. Sie habe die Umstrukturierungen in der Parteizentrale nach der Übernahme des Vorsitzes "nicht konsequent genug vorangetrieben". Es habe ein altes und ein neues Team gegeben. "Das war kein Wahlkampf aus einem Guss", sagte sie.

Selbstkritisch äußerte sie sich auch über die Reaktion auf ein CDU-kritisches Video des YouTubers Rezo. "Die Entscheidungen, wann reagieren wir, wie reagieren wir, sind in einer unglaublichen Hektik gefallen, wo jeder der Beteiligten immer zwischen zwei Wahlkampfauftritten gerade mal fünf Minuten Zeit hatte, um miteinander zu telefonieren. Das war grundlegend falsch", sagte sie. Die CDU hätte "von Anfang an sehr schnell eine Reaktion setzen müssen gegen das Video". Dabei wäre zunächst egal gewesen, welche. "Sie hätte nur sehr schnell erfolgen müssen." Damals hatte die CDU-Kommunikationsabteilung eine Antwort des jungen CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor aufgezeichnet, entschied sich dann aber gegen das Veröffentlichen. Stattdessen lud sie eine Art Fact-Check auf ihrer Website hoch, in der sie Rezos Behauptungen inhaltlich konterte.  

Kramp-Karrenbauer zeigte Verständnis dafür, dass es in der Partei Kritik an ihr gab. "Eine Partei, die CDU insbesondere, will natürlich immer eine Vorsitzende, von der sie weiß: Die steht da vorn, auf die kann ich mich verlassen, die macht keine Fehler", sagte die Verteidigungsministerin. Die Partei habe ihre Fehler dann aber wahrgenommen.

Die CDU kommt an diesem Freitag und Samstag zu ihrem Bundesparteitag zusammen. In Leipzig wird auch eine Debatte über die schlechten Umfragewerte der Partei sowie über die Frage erwartet, wann eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Union fallen soll. Die Junge Union fordert eine Urwahl des oder der Kandidierenden. Kramp-Karrenbauer plädiert für eine Entscheidung im Dezember 2020. Auf dem Parteitag wird neben der CDU-Chefin voraussichtlich auch ihr knapp unterlegener Kontrahent bei der Wahl zum Parteivorsitz, Friedrich Merz, eine Rede halten.