Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat sich dafür ausgesprochen, die Parteibasis an der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur zu beteiligen. Er halte es "nach den Erfahrungen des letzten Jahres für gut und richtig, die Parteimitglieder an Personal- und Sachentscheidungen in Zukunft weiter gut zu beteiligen", sagte der frühere Unionsfraktionschef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Regionalkonferenzen vor der Wahl zum Parteivorsitzenden waren doch sehr spannend und attraktiv." Die offene Diskussion habe der Partei gutgetan.

Auf die Frage nach einem Parteitagsantrag der Jungen Union für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten antwortete er: "Über die Form der Mitgliederbeteiligung muss man diskutieren." Wichtig sei, dass CDU und CSU gemeinsam eine Person fänden. Die JU-Forderung war als Affront gegen die intern unter Druck stehende Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer verstanden worden, die nach bisherigem Verständnis den ersten Zugriff auf die Kandidatur hätte.

Merz kündigte an, die Parteichefin auf dem bevorstehenden Parteitag "nach Kräften" unterstützen zu wollen. "Das werde ich auch mit meinem Wortbeitrag in Leipzig tun", sagte der Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir werden auch keine Personaldiskussionen führen", fügte er hinzu. "Aber wir müssen uns auf dem Weg zu einem neuen Grundsatzprogramm ernsthaft mit einigen grundsätzlichen Fragen auseinandersetzen." Er werde dazu "einige wenige Anmerkungen" machen. "Es wird also sehr sachlich und konstruktiv werden."

Kritik an Kompromiss zur Grundrente

Zu einer möglichen eigenen Kanzlerkandidatur sagte Merz, er fühle sich "ermutigt, weiter mitzuarbeiten und meinen positiven Beitrag zu leisten". Es sei "wichtig, dass die CDU in ihrer ganzen Breite dargestellt wird und vertreten ist, sowohl in der Wirtschafts- und Sozialpolitik als auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Und genauso, was das Wertefundament unserer Arbeit als Christlich Demokratische Union angeht."

Dennoch kritisierte er den Kompromiss der großen Koalition zur Grundrente, der auch von Kramp-Karrenbauer mit ausgehandelt worden war. "Da ist ein Steueraufkommen eingerechnet worden, für das es noch gar kein Steuergesetz gibt. Insofern ist das eine offene Buchung", sagte er. Auch für den geplanten automatischen Datentransfer bei der Einkommensprüfung von der Steuerverwaltung zu den Rentenversicherungsträgern "fehlen bis jetzt alle Voraussetzungen".