Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat Fehler bei der Ausgestaltung der deutschen Einheit eingeräumt. Man habe viel über Geld gesprochen, aber nicht die Brüche in den Biografien der Menschen in Ostdeutschland gesehen, "die sich komplett neu erfinden mussten", sagte der CDU-Politiker beim Gedenken des Mauerfalls im Bundestag. "Das war wirklich der große Fehler dieser Wiedervereinigung."

In einer Debatte des Bundestag wurde die Friedliche Revolution von 1989 und das Niederreißen der Mauer durch die Bürger der DDR gewürdigt. Für Empörung sorgte dabei Tino Chrupalla, stellvertretender AfD-Fraktionsvorsitzender, als er sagte, Deutschland werde heute wieder durch einen "antideutschen Trennwall" zerteilt. Zudem verstehe er nicht, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) so wenig Mitgefühl und Liebe für das von ihr regierte Volk empfinden könne.

Die SPD-Abgeordnete Katrin Budde wies den Begriff "Wende" für die damaligen Ereignisse zurück. Dieser stamme von Egon Krenz, der Erich Honecker als Staatsratsvorsitzender und SED-Generalsekretär nachgefolgt war. "Wer diese Parole heute ausgibt, der steht nicht in der Tradition der Friedlichen Revolution, der steht in der Tradition von Egon Krenz", sagte Budde in Anspielung auf die AfD. Diese hatte soeben in Sachsen, Brandenburg und Thüringen mit ihren überwiegend aus Westdeutschland kommenden Spitzenkandidaten Wahlkampf mit der Parole "Vollendet die Wende" geführt.

Die Mauern einreißen, die das Miteinander gefährden

Buddes Parteikollege Dietmar Woidke hatte in seiner Antrittsrede als Bundesratspräsident zu einem unvoreingenommenen Dialog der Menschen in Ost und West aufgerufen. Es gehe darum, das Gemeinsame zu erkennen und zu leben. "Wir können stolz sein auf das Erreichte", sagte Woidke mit Blick auf die Entwicklung der 30 Jahre seit dem Mauerfall. Gleichzeitig dürfe nicht ausgeblendet werden, dass es für viele Ostdeutsche "auch Rückschläge, Niederlagen, Verletzungen und Enttäuschungen beim schwierigen Übergang vom Staatssozialismus zur Marktwirtschaft gab". Auch hier gelte es, in einen offenen und ehrlichen Dialog zu treten, um mehr übereinander zu erfahren.

"Wir können alle Mauern einreißen, die unser Miteinander gefährden", sagte Woidke. "Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen. Erteilen wir Hass, Antisemitismus und Rechtsextremismus gemeinsam eine Abfuhr – wagen wir miteinander mehr Menschlichkeit."