Grünenpolitiker Cem Özdemir sieht in einer vermehrten Ichbezogenheit vieler Menschen die Ursache für eine Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas. "Das zunehmende Kreisen um die Definition des eigenen Ich, der eigenen Identität und damit die Abgrenzung von 'den anderen' führt zu einem immer raueren Ton", schrieb der 53-Jährige in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Neue Presse. So würde der politische Raum zunehmend durch Stimmungen, Bauchgefühle und Empfindungen bestimmt, kritisierte der Grünenbundestagsabgeordnete.

Laut Özdemir sei die gegenwärtige Zeit geprägt "von immer aggressiveren Debatten und Auseinandersetzungen" in der digitalen Welt von Facebook, Twitter und YouTube. Er selbst habe gelernt, "die maßlosen Beleidigungen, Androhungen von Gewalt gegen mich, denen ich als Politiker tagtäglich im Netz ausgesetzt bin, zu ignorieren", schrieb Özdemir.

Der Grünenpolitiker könne gut damit leben, das "Feindbild" von AfD und Pegida zu sein. Es würde ihn darin bestätigen, sehr weit von deren rassistischen, sexistischen und homophoben Gedankengut entfernt zu stehen. Özdemir verwundere allerdings, dass gerade Politiker, die angetreten seien, "das Abendland zu retten", alles daransetzten, "christlich-konservativ geprägte Regeln des respektvollen Miteinanders zu pulverisieren".

Der ehemalige Grünenvorsitzende Cem Özdemir wird immer wieder von rechten Gruppen, aber auch türkischen Nationalisten angefeindet und steht bereits seit Längerem unter Polizeischutz. So wurde erst Anfang November bekannt, dass er und seine Parteikollegin, Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, in E-Mails mit dem Tode bedroht wurden.