Braunschweig - Proteste gegen den AfD-Parteitag Hunderte Menschen haben in Braunschweig gegen den AfD-Bundesparteitag demonstriert. Die AfD will an diesem Wochenende eine neue Parteiführung wählen. © Foto: Swen Pförtner/Reuters

In Braunschweig haben Hunderte Menschen gegen den Bundesparteitag der AfD demonstriert. Nach der Auftaktkundgebung zogen die Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Braunschweiger Innenstadt. Gewerkschaften, Parteien und Wohlfahrtsverbände hatten zur Teilnahme an dem Protest aufgerufen. Am Mittag waren nach Angaben der Organisatoren 10.000 Menschen auf der Straße. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von Hunderten Demonstrierenden. Die Polizei wollte gegenüber ZEIT ONLINE zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl machen. 

Den Veranstaltungsort, die Volkswagen Halle Braunschweig, hatte die Polizei weiträumig abgesperrt. Auch Wasserwerfer standen bereit. Der Volkswagen-Schriftzug an der Halle war auf Bestreben des Unternehmens abgedeckt worden. Bereits am Freitagabend waren rund 900 Menschen dem Aufruf der Kampagne "Nationalismus ist keine Alternative" gefolgt und hatten gegen die AfD demonstriert. Die Kundgebung verlief nach Polizeiangaben weitgehend störungsfrei.

Die AfD will an diesem Wochenende eine neue Parteiführung wählen. Insbesondere die Nachfolge des Co-Parteichefs Alexander Gauland ist umkämpft. Sein Wunschkandidat ist der Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Gegen ihn wollen unter anderem die niedersächsische Landeschefin Dana Guth und der Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio antreten.

In seiner Eröffnungsrede sagte Gauland mit Blick auf künftige Regierungskoalitionen, es werde "der Tag kommen, an dem eine geschwächte CDU nur noch eine Option hat: uns". Es sei damit zu rechnen, dass "einfache Mitglieder ihrer Führung die Frage nach bürgerlichen Mehrheiten stellen".

"Wir müssen noch einige Frauen zusätzlich ansprechen"

Co-Parteichef Jörg Meuthen tritt zur Wiederwahl an, gegen ihn kandidiert die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst. Die Mitgliederzusammensetzung bei der AfD zeige, "dass wir noch einige Frauen zusätzlich ansprechen müssen", sagte Höchst. Zudem wolle sie mehr Jugendliche ansprechen, die vor allem in den westlichen AfD-Landesverbänden unterrepräsentiert seien.

Die Delegierten lehnten es ab, das Verhältnis zur Identitären Bewegung neu zu regeln. Ein Antrag, diese vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung von der Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Hätte der Antrag Erfolg gehabt, hätten Mitglieder der Identitären Bewegung künftig auch in die AfD eintreten können.

Die 2012 gegründete Identitäre Bewegung Deutschland hat nach Angaben des Verfassungsschutzes derzeit etwa 600 Mitglieder. Diese umschreiben die Ideologie der Bewegung mit dem Begriff "Ethnopluralismus": Dahinter steht die Überzeugung, dass Menschen unterschiedlicher Ethnien nicht in einer Gesellschaft zusammenleben sollten. Sie waren zuletzt unter anderem durch eine Spende des Christchurch-Attentäters aufgefallen.