In der großen Koalition zeichnet sich neben den Schwierigkeiten, einen Kompromiss bei der Grundrente zu finden, eine weitere Konfliktlinie ab: Laut Medienberichten will die Unionsfraktion an diesem Montag einen Forderungskatalog beschließen, in dem unter anderem eine Deckelung des Steuersatzes für Gewinne von Kapital- und Personengesellschaften bei 25 Prozent verlangt werden. 

In dem Dokument der Union, aus dem die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten zitieren, heißt es: "Wenn wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhalten wollen, ist die Modernisierung des deutschen Unternehmenssteuerrechts dafür eine der wesentlichen Grundlagen." Verwiesen wird dabei auf das schwächer gewordene Wirtschaftswachstum und auf Steuersenkungen für Unternehmen in anderen EU-Staaten und den USA. "Wir sind überzeugt, dass wir Antworten geben müssen auf die veränderte wirtschaftliche Lage", zitieren die Zeitungen dazu Unionsfraktionsvize Andreas Jung. Die bislang letzte große Unternehmenssteuerreform liege zehn Jahre zurück.

Die geforderte Deckelung könnte den Berichten zufolge durch eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 15 auf zehn Prozent erreicht werden. Erwogen werde zudem eine Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Körperschaftsteuer. Erneuert wird von der Union demnach zudem die Forderung nach einer kompletten Abschaffung des Solidaritätszuschlags auch für Bezieher hoher Einkommen.

Die SPD sieht umfassende Senkungen der Unternehmenssteuern skeptisch. Norbert Walter-Borjans, der sich zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken um den SPD-Vorsitz bewirbt, warnte die Union davor, die Grundrente mit der Forderung nach einer Senkung der Unternehmenssteuern zu verknüpfen. Entsprechend hatte sich zuletzt etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geäußert. Aus Walter-Borjans' Sicht wäre das eine Umverteilung von unten nach oben.