Deutschland muss nach einem Gerichtsbeschluss eine Mutter mit zwei Kindern aus einem syrischen Lager zurückholen. Die Frau war in das Gebiet des sogenannten Islamischen Staates (IS) ausgereist, wie eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg am Freitag sagte. Das dritte Kind der Frau sei wegen einer Erkrankung bereits früher nach Deutschland gekommen. Zuvor hatte die Zeitung Die Welt darüber berichtet, dass eine Beschwerde der Bundesregierung in diesem Fall zurückgewiesen wurde. Es ist die zweite derartige Entscheidung innerhalb weniger Tage.

Eine konkrete Gefährlichkeit der Mutter sei nicht nachgewiesen worden, hieß es vom Gericht. Die vier und sechs Jahre alten Kinder seien auf den mütterlichen Schutz und ihre Betreuung angewiesen. Erst in der vorigen Woche hatte das Oberverwaltungsgericht in einem ähnlichen Fall entschieden, dass die Bundesrepublik eine Mutter und ihre drei kleinen Kinder aus einem syrischen Lager zurückholen muss.

Das Auswärtige Amt hatte den Angaben zufolge zunächst die Rückholung der Kinder in die Wege geleitet, die der Mutter aber abgelehnt. Im Juli hatte das erste Mal ein Gericht angeordnet, eine IS-Anhängerin und ihre Kinder zurück nach Deutschland zu bringen.

Dem Bundesinnenministerium zufolge sind 1.050 Menschen seit 2013 aus Deutschland ins syrische und irakische Kriegsgebiet ausgereist, um sich dem IS anzuschließen. Etwa 200 kamen ums Leben. Rund ein Drittel ist bereits nach Deutschland zurückgekehrt.

Die Terrororganisation IS kämpfte für einen islamischen Gottesstaat und nannte ihr lange gehaltenes Territorium "Kalifat". Ihr Einfluss reichte vom Nordirak und von Syrien bis nach Libyen. Heute kontrolliert sie nach Angaben der internationalen Anti-IS-Koalition nicht einmal mehr ein Hundertstel ihres früheren Herrschaftsgebietes.