Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali leiten künftig gemeinsam die Linke-Bundestagsfraktion. Während Bartsch wiedergewählt wurde, folgt die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Mohamed Ali auf Sahra Wagenknecht, die nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Für Bartsch stimmten 44 Abgeordnete, das waren nach Angaben eines Fraktionssprecher 63,7 Prozent. Bei der letzten Wahl 2015 hat er noch 80 Prozent der Stimmen bekommen. Für den weiblichen Part des Führungsduos hatte sich neben Mohamed Ali auch die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, Caren Lay, beworben. Ihr wurden vor der Wahl gute Chancen vorausgesagt, unter anderem, weil sie bereits Bundesgeschäftsführerin und Vizeparteichefin war. Beide Frauen bekamen im ersten Wahlgang jedoch keine Mehrheit. In einem zweiten Wahlgang sprachen sich dann 36 Abgeordnete für Mohamed Ali aus, das sind 52,2 Prozent. Für Lay, die als Vertraute von Parteichefin Katja Kipping gilt, stimmten 29 Abgeordnete – das sind 42 Prozent.

Die Rechtsanwältin Mohamed Ali sitzt erst seit 2017 für die Linke im Bundestag und wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet, zu dem auch Wagenknecht gehört. Die 39-Jährige hatte Anfang November ihre Kandidatur erklärt und eine bessere Zusammenarbeit in der Fraktion sowie in der Partei gefordert. Ihr persönlich gehe es um Inhalte, nicht um Personen und Lager, schrieb die Niedersächsin in ihrer Bewerbung. Es könne nicht sein, dass immer wieder hohe Reibungsverluste die Arbeit schwächten.

Mohamed Ali war bisher Sprecherin für Verbraucherschutz in der Fraktion. Zu ihren Schwerpunktthemen zählen außerdem Tierschutz sowie Recht und Ernährung. Sie ist Mitglied der IG Metall und Mitglied im Deutschen Tierschutzbund.   

Bartsch sagte nach der Wahl, er sei mit dem Wahlergebnis "ganz schön zufrieden". Mohamed Ali betonte, sie wolle sich als Fraktionschefin für mehr Einigkeit unter den Abgeordneten der Linken einsetzen wolle. Es gehe ihr darum, dass die Fraktion ihre Kräfte besser bündele und zusammenstehe. "Ich möchte mit jeder und jedem reden, und ich möchte jeden einbinden und ich glaube, dass mir das gelingen wird."

Wagenknecht froh darüber, das Amt abzugeben

Zuletzt hat ein Konflikt zwischen Wagenknecht und der Parteispitze um Katja Kipping und Bernd Riexinger die Partei und die Fraktion gelähmt. Wagenknecht steht einer Politik offener Grenzen für alle kritisch gegenüber und ist der Ansicht, ihre Partei habe sich von ihrer eigentlichen Klientel entfernt. Sie ist aber nicht nur wegen der Konflikte, sondern auch wegen gesundheitlicher Probleme nicht noch einmal angetreten

Nach ihrer Wahl sagte Mohamed Ali, Wagenknecht hinterlasse sehr große Fußstapfen, in die sie erst ein Stück hineinwachsen müsse. 

Wagenknecht selbst zeigte sich erleichtert und zuversichtlich. Sie sei froh, das Amt als Fraktionsvorsitzende abzugeben. Einen Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit plane sie aber nicht, sagte sie. Auch eine erneute Kandidatur für den Bundestag könne sie sich vorstellen. Sie wünschte ihrer Nachfolgerin und der gesamten neuen Fraktionsspitze, dass sie jetzt eine gute Chance bekämen.