AfD-Chef Jörg Meuthen rechnet nach dem SPD-Mitgliederentscheid mit einer vorgezogenen Bundestagswahl 2020. Die SPD sei eine "ehemalige Volkspartei im Niedergang", sagte der kurz zuvor im Amt bestätigte AfD-Vorsitzende. Die Richtung für die SPD laute "freier Fall". Auch Alice Weidel, die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wünschte sich eine Neuwahl: Der "Krampf" der großen Koalition müsse beendet werden.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte, der Linksruck der SPD und das Ende der großen Koalition aus Union und SPD sei besiegelt: "Deutschland steht vor Neuwahlen oder einer Minderheitsregierung. Die FDP steht für die Übernahme von Verantwortung bereit, sofern inhaltliche Kernforderungen umgesetzt werden können."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann, zeigte sich auf Twitter noch aufgeregter: "SPD versinkt im Chaos und droht, das Land mitzureißen. Merkel muss nun rasch klären, wie sie das Land regieren möchte. Teure Geschenke an SPD haben nichts gebracht. Kurswechsel muss her."

Die Linke hofft auf Kurswechsel

Linkenparteichef Bernd Riexinger gratulierte der SPD zur Entscheidung der Parteibasis für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Er schrieb auf Twitter: "Die SPD und das Land braucht dringend linke Politik statt ideenlosem Groko-Schlingerkurs!"

Auch die Linken-Co-Vorsitzende Katja Kipping hofft auf neue Chancen für linke Mehrheiten. Esken und Walter-Borjans hätten jetzt die Aufgabe, "die gute alte Dame Sozialdemokratie wieder auf Trab zu bringen", sagte Kipping. Deutschland brauche eine sozialökonomische Wende und das funktioniere nur mit Mehrheiten links der Union: "Dafür braucht es sowohl eine schwungvolle SPD als auch eine starke Linke."

Weniger Worte hatte FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter: "Ich bin völlig baff."

Die CDU will mit den Sozialdemokraten unter der neuen Parteiführung "vertrauensvoll" zusammenarbeiten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte, entscheidend sei, gut zu regieren: "Dafür gibt es eine Grundlage und das ist der Koalitionsvertrag, der zwischen der SPD und der Union geschlossen wurde und daran hat sich nichts geändert."

Der Berliner CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner rief die Sozialdemokraten zu Verantwortungsbewusstsein auf: "Die SPD muss sich nun auf ihrem Bundesparteitag entscheiden: Will sie verantwortungsbewusste Regierungspartei sein oder stiehlt sie sich aus der Verantwortung?"

Juso-Chef Kevin Kühnert forderte die SPD nach der Entscheidung über den künftigen Parteivorsitz zum Zusammenhalt auf: "Die Aufgabe der SPD ist eine historische", schrieb er auf Twitter. "Unsere Gegner wollen, dass es uns zerreißt. Diesen Gefallen werden wir ihnen nicht tun."

Die Grünen wünschten der neuen SPD-Führung viel Erfolg: "Wir freuen uns auf eine faire, sachliche und konstruktive Zusammenarbeit", hieß es in einer Erklärung der Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck sowie der Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter.

Mützenich betont "Herausforderungen für unser Land"

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich rief seine Partei zur Geschlossenheit auf: "Jetzt muss die SPD nach vorne schauen und alle Kraft sammeln, um geschlossen und gestärkt aus dieser Abstimmung hervor zu gehen". Der Parteitag habe die Aufgabe, "konzentriert und mit Sachverstand die Herausforderungen für unser Land und Europa anzugehen". 

CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte: "Für uns hat sich an der Grundlage unserer Zusammenarbeit nichts geändert: Der Koalitionsvertrag gilt."

Der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) warnte die SPD in der Bild am Sonntag vor einem Ausstieg aus dem Bündnis: "Ich finde es wichtig, dass die große Koalition auch mit der neuen SPD-Führung ihre Arbeit bis zum regulären Ende 2021 macht und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 von erfahrenen Persönlichkeiten organisiert wird."