Heiko Maas hat Anfang der Woche eine Feststellung getroffen, die fraglos richtig ist: "So etwas macht keinen guten Eindruck", hielt der Außenminister fest, "weder innerhalb noch außerhalb Deutschlands." Der Vorschlag der CDU-Vorsitzenden und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für eine Sicherheitszone in Nordsyrien, geschützt durch eine UN-Truppe, ist in der Sache längst an der Realität gescheitert – darum kann es eigentlich nicht mehr gehen. Der daraus entstandene Streit, wer denn nun die deutsche Außenpolitik beschädigt, hält sich derweil hartnäckig. Der Effekt ist leider, dass der Schaden damit nur größer wird. Es ist nicht völlig unwichtig, wer angefangen hat. Viel wichtiger aber ist, wer den Zoff endlich beenden kann.

Denn irgendwie haben ja beide Seiten recht. Maas, wenn er kritisiert, dass Kramp-Karrenbauers Vorstoß "weder innerhalb der Bundesregierung noch innerhalb der Union" abgestimmt war: Der Minister erfuhr von der Idee per SMS, kurz bevor sie in die Welt gesetzt wurde – wie soll er glaubwürdig deutsche Außenpolitik vertreten, wenn deren Grundlage innerhalb der Koalition plötzlich in Splittern liegt? Wie sich zu einem nicht zu Ende gedachten Plan verhalten, ohne sich dabei auf eine klare Linie der Regierung verlassen zu können? In der Tat schwächt das seine Handlungsfähigkeit, Maas steht einfach schlecht da, innen wie außen. Dass es so weit kommen konnte, sagt womöglich auch grundsätzlich etwas über sein Standing, besser wird es dadurch nicht.

Recht haben auch jene, die dem Außenminister vorwerfen, anschließend selbst kein gutes Bild abgegeben zu haben. Nämlich als Maas in Ankara bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu den Streit noch einmal zur Schau stellte. Man habe kaum darüber gesprochen, "für Dinge, die im Moment eher theoretischen Charakter haben, hat uns die Zeit gefehlt, weil den Menschen in Syrien die Zeit für theoretische Debatten fehlt", sagte Maas, und auch: "Überall wird uns gesagt, das sei kein realistischer Vorschlag." Kramp-Karrenbauers Initiative im Ausland derart gehässig vorzuführen, zumal in der Türkei, war ein schwerer Fehler. Selbst wenn das alles stimmt. Im Bundestag sagte der Außenminister am Mittwoch, er könne "allerdings schwierig außenpolitische Vorstöße im Ausland völlig unkommentiert lassen". Doch, selbst das wäre möglich gewesen, Diplomaten sollten das wortreich hinbekommen können.

Die Kanzlerin bekommt den Streit nicht unter Kontrolle

Man kann es freilich auch übertreiben mit der Kritik, wie etwa FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff gegenüber der Bild-Zeitung: "Selten musste man sich für einen Minister derart schämen" – das wird Maas und der Lage nicht gerecht. Die FDP will seine Amtsführung gar durch einen Bundestagsbeschluss missbilligen lassen und ihn auffordern, sich künftig "die diplomatische Mäßigung aufzuerlegen, die dieses verantwortungsvolle Amt erfordert". Ja, das sollte er. Aber wenn der FDP-Antrag über Maas urteilt, er schade "dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland", muss der Vollständigkeit halber ergänzt werden: Er ist nicht der Einzige, und er hat das alles nicht angefangen.

Von Maas nun zu verlangen, er solle, "statt sich an seiner Kabinettskollegin zu reiben", ihren Vorschlag "endlich offensiv aufnehmen und sich in internationalen Gremien dafür einsetzen", wie der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, geht ebenfalls an der Sache vorbei. Legt also neuerdings die Verteidigungsministerin die Ziele der deutschen Außenpolitik fest? Das ist noch immer die weitgehend exklusive Kompetenz der Kanzlerin, gegebenenfalls unter Zustimmung des Bundestags (was in diesem Fall für einen möglichen Einsatz der Bundeswehr zuträfe, aber auch überhaupt noch nicht ansteht).

Angela Merkel hat sich jedenfalls schrecklich ambivalent geäußert: Ein vielversprechender Gedanke, einen Versuch sei es allemal wert, von der "Pflicht zu schauen, wie man die Dinge dort regeln kann", sprach sie in einer Fraktionssitzung, das müsse in der Koalition diskutiert werden. Offiziell heißt es auch in dieser Woche noch, die Meinungsbildung innerhalb der Regierung für eine gemeinsame Linie laufe. Augenscheinlich fällt es schwer, eine klare Entscheidung zu treffen: Wir geben die Idee auf, weil sie utopisch ist (genauso legitim: weil sie innenpolitisch zu wenig Unterstützung hat, uns sonst die Groko um die Ohren fliegt) – oder eben: Das ist unser Plan, das sind unsere Interessen, so wollen wir sie verwirklichen, das sind wir bereit dafür zu tun. Und Merkel fehlt es offenbar an der Führungsstärke, diesen Prozess zu beschleunigen. Nicht nur im eigenen Land, auch für die Welt da draußen, die von Deutschland ein stärkeres internationales Engagement erwartet, ist das eine zunehmende Irritation.