Weil er der Reichsbürger-Szene nahestehen soll, ist ein Polizist in Nordrhein-Westfalen vom Dienst suspendiert worden. Wie die Kreispolizeibehörde mitteilte, soll gegen den 45-Jährigen aus Paderborn ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Sogenannte Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Sie sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide.

Der Beamte arbeitete den Angaben zufolge als Streifenpolizist. Bei dieser Arbeit soll er sich mehrfach "auffällig" geäußert haben, sodass sich seine Kollegen schließlich an ihre Vorgesetzten wandten. Beschwerden aus der Bevölkerung gab es nach Angaben der Kreispolizeibehörde keine.

Der 45-Jährige war zunächst in den Innendienst versetzt worden und musste seine Waffe abgeben. Die Beurteilung der Vorwürfe durch den Staatsschutz führte schließlich dazu, dass der Polizist vom Dienst suspendiert wurde. Er darf zudem Räume der Polizei nicht mehr betreten. Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten gebe es aber nicht.

Insgesamt stehen laut einem Medienbericht in NRW derzeit fünf Polizisten unter dem Verdacht, zu den Reichsbürgern zu gehören. Gegen sie liefen Disziplinarverfahren, berichtete das Westfalen-Blatt unter Berufung auf eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. "Zwei von ihnen sind bereits im Ruhestand, zwei andere sind vom Dienst suspendiert", sagte diese der Zeitung zufolge. Bei dem fünften Beamten habe die betroffene Behörde erfolglos auf Entlassung geklagt. Das Disziplinarverfahren werde aber fortgesetzt.

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz rechnet dem Bericht zufolge 3.200 Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland der Reichsbürgerszene zu. Etwa hundert von ihnen sollen auch in der rechtsextremen Szene verkehren.