Peter (24) und Sabine Kromwijk (22) leben mit ihren Eltern und einem jüngeren Bruder auf einem Milchbauernhof auf der Insel Usedom. Ihre Eltern stammen aus den Niederlanden, nach der Wende kamen sie nach Mecklenburg-Vorpommern, weil es dort einfacher war, einen Bauernhof aufzumachen. Er ist gelernter Agrarbetriebswirt, sie studiert Agrarwissenschaft. Mit 200 Kühen ist der Hof für mecklenburg-vorpommersche Verhältnisse eher klein, für westdeutsche dagegen recht groß. Beide würden den Hof gerne weiterführen, haben aber Zweifel, ob sich das in Zukunft noch lohnt.

ZEIT ONLINE: Warum sind Sie heute zur Demonstration nach Berlin gekommen?

Sabine Kromwijk: Wir würden den Hof unserer Eltern gerne weiterführen. Wir sind mit viel Herzblut und Leidenschaft dabei, aber die ganzen Auflagen, die uns bevorstehen, sehen wir als Problem. Wir haben nicht das Gefühl, dass wir von der Politik verstanden werden. Die entscheiden über uns und wir würden gerne mitentscheiden. Die Politiker legen einfach Regeln fest und sagen sich, die Landwirte werden schon irgendwie zurechtkommen.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie konkret?

Peter und Sabine Kromwijk aus Usedom © Katharina Schuler

Sabine Kromwijk: Ein Problem für uns als fleischproduzierender Betrieb ist das Mercosur-Abkommen. Es ermöglicht den Import billiger Agrarprodukte in die EU, damit mehr Autos exportieren werden können. Wir produzieren genfreies Fleisch und Weidemilch und arbeiten sehr nachhaltig, auch wenn wir kein Biobetrieb sind. Wir wollen unsere Mitarbeiter gut bezahlen und selbst von unserer Arbeit leben können. Aber wenn Fleisch zu Schleuderpreisen importiert wird, ist das schwierig.

ZEIT ONLINE: Könnten Sie sich vorstellen auf Bio umzustellen?

Sabine Kromwijk: Das könnten wir uns vorstellen, aber der Markt ist begrenzt. Viele Menschen sagen, sie kaufen Bio, aber machen es gar nicht.

ZEIT ONLINE: Hat sich Ihre wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahren verschlechtert?

Peter Kromwijk: Wir bekommen pro Liter Milch 31 Cent. Das reicht nicht, um genug zu verdienen – bei den hohen Standards, die wir einhalten müssen. Das Problem ist: Alles wird teurer, Maschinen, Diesel, Futter – überall ziehen die Preise, an nur nicht bei der Milch.

Sabine Kromwijk: Wir haben Schwankungen von 50 Prozent beim Preis. Wenn das in der Autoindustrie so wäre, würde alles zusammenbrechen. Wir müssen damit klarkommen. Wir liefern unsere Milch ab, dann erfahren wir 14 Tagen später, was wir dafür bekommen. Da fehlt die Planbarkeit.

Peter Kromwijk: 1998 gab es auf Usedom 25 Milchviehbetriebe, 70 Prozent davon sind weg. In ganz Mecklenburg-Vorpommern haben 60 Prozent der Betriebe geschlossen.

Sabine Kromwijk: Wir konnten bisher nur gegensteuern, weil wir Kosten gesenkt haben. Gerne würden wir etwa das Tierwohl verbessern, aber man hat keinen finanziellen Spielraum und keine Planungssicherheit.