Der Kampf um die SPD-Spitze wird als Duell der Männer wahrgenommen. In den anderen Parteien existieren klare Meinungen zu den Kandidaten: hier der Vizekanzler mit Agenda-Vergangenheit, dort der Ex-Landesminister mit den Steuer-CDs. Der eine will die SPD in der Bundesregierung halten und selbst Kanzlerkandidat werden. Der andere steht für einen Bruch mit der bisherigen Programmatik – und vermutlich auch mit der Bundesregierung. 

Von den beiden Frauen, die ebenfalls kandidieren, spricht kaum jemand. Und wenn, dann klingt es oft ironisch oder pflichtschuldig. "Scholz gegen Anti-Scholz", so fasst Saskia Esken die öffentliche Wahrnehmung des Duells süffisant zusammen.    

Esken ist die Tandempartnerin, mit der Walter-Borjans antritt. Allerdings ist ihr Name nicht allen geläufig. Ein nicht ganz unwichtiger Sozialdemokrat spricht von "dieser Frau aus Baden-Württemberg". Ob er das gehässig meint oder nur vergesslich ist, bleibt unklar. 

Mansplaining also im Reichstag? Auch! Aber die Äußerungen zeugen nicht nur von männlich geprägten Sprach- und Denkmustern, die in Parteien und Medien nach wie vor gängig sind. Sie sind auch Ausdruck des großen Popularitätsgefälles, das für beide Kandidatenteams charakteristisch ist. Die beiden Männer sind schlicht viel bekannter als die beiden Frauen. Was die beiden Kandidatinnen übrigens ohne Umschweife einräumen.

"Esken will raus, aber der NoWaBo ..."

Aber: Das heißt nicht, dass die Männer die alles entscheidenden Faktoren in diesem Duell sind. Die Rolle der beiden Frauen ist nicht zu unterschätzen. 

Das wird spätestens klar, wenn man Saskia Esken trifft. Die 58-jährige Bundestagsabgeordnete aus dem Schwarzwald hat den Kaffee selbst gekocht. Es ist 9 Uhr am Morgen. Sie ist allein in ihrem Abgeordnetenbüro. Ihre Mitarbeiter sind noch mit ihren kleinen Kindern beschäftigt. Esken hingegen ist schon auf Hochtouren. Sie redet viel und schnell, im tiefen schwäbischen Dialekt. Zwischendurch klingelt das Telefon, das sie mal abnimmt, mal klingeln lässt. 

Im Gespräch nennt sie einen "Knackpunkt" nach dem anderen, an denen die große Koalition scheitern könnte, wenn sie und Walter-Borjans erst mal an der Parteispitze sind. Sie will, um nur einige Punkte zu nennen, den Mindestlohn auf 12 Euro erhöhen, die Hartz-IV-Sanktionen abschaffen und die Schuldenbremse aus dem Grundgesetz streichen. Der Frage, wie kategorisch diese Forderungen zu verstehen sind, weicht sie aus. Ob die SPD in der Regierung bleiben kann, selbst wenn die Union einige ihrer Punkte nicht erfüllen sollte, lässt sie offen.

Aber sie deutet an, dass sie die große Koalition gern beenden würde. Eine Parteifreundin, die sie gut kennt, sagt: "Esken will raus, aber der NoWaBo ist zurückhaltender."