Einen Monat vor der entscheidenden Stichwahl um den Parteivorsitz der SPD bekommt das Kandidatenduo Olaf Scholz und Klara Geywitz weitere prominente Unterstützung. Zuletzt hatte sich bereits überraschend der ehemalige Parteichef Martin Schulz in einem Interview für die Kandidatur von Vizekanzler Olaf Scholz ausgesprochen. Diesmal kommt die Wahlempfehlung von einem der unterlegenen Kandidatenduos. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, der sich selbst mit Petra Köpping erfolglos um die Parteiführung beworben hatte, sagte 30 Jahre nach dem Mauerfall brauche die SPD "eine Ost-West-Doppelspitze". Es gehe um unterschiedliche Lebenserfahrungen und Blickwinkel, so Pistorius im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Deswegen werden wir in der Stichwahl Klara Geywitz und Olaf Scholz unterstützen."

In der Stichwahl entscheiden die SPD-Mitglieder darüber, ob sich Scholz und Geywitz oder Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken als Doppelspitze durchsetzen. Walter-Borjans, der frühere Finanzminister Nordrhein-Westfalens, und die Bundestagsabgeordnete Esken gelten als Favoriten der Parteilinken.

Hoffnung auf "erkennbar ostdeutsche Perspektive"

Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping sagte der Zeitung, dass sie sich im Gegenzug eine entsprechende Politik erhoffe. "Ich erwarte von Klara Geywitz, dass sie erkennbar die ostdeutsche Perspektive einnimmt und damit einen Beitrag hin zu einer gesamtdeutschen Politik leistet." Zuvor hatten sich bereits andere prominente SPD-Politiker für Scholz und Geywitz ausgesprochen, darunter die Bundesminister Heiko Maas, Franziska Giffey und Christine Lambrecht. 

Die Mitglieder der SPD können sich vom 19. bis zum 29. November zwischen Walter-Borjans und Esken sowie Scholz und Geywitz entscheiden. Am 30. November wird das Ergebnis verkündet. Formal soll die neue Doppelspitze dann auf einem Bundesparteitag vom 6. bis 8. Dezember gewählt werden. Die bisherige Vorsitzende Andrea Nahles war im Juni zurückgetreten, ihr folgte ein kommissarisches Team aus Manuela SchwesigThorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer, von denen sich niemand für den Parteivorsitz bewarb.

Von Anfang September bis Mitte Oktober hatten sich zuletzt sechs Kandidatenduos in 23 Regionalkonferenzen mit insgesamt über 20.000 Besuchern der Parteibasis vorgestellt. Ein entscheidendes Thema war die Zukunft der großen Koalition. Scholz und Geywitz bekamen 22,7 Prozent der Stimmen, Walter-Borjans und Esken erhielten 21,0 Prozent.