Im Mitgliederentscheid der SPD über die neue Parteispitze haben sich Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken gegen Olaf Scholz und Klara Geywitz durchgesetzt. Das Duo kam in der Stichwahl auf 53,06 Prozent der Stimmen, die Verlierer Geywitz und Scholz nur auf 45,33 Prozent. Ein Parteitag kommende Woche soll die beiden Gewinner zu Vorsitzenden wählen.

Walter-Borjans sagte in seiner Dankesrede, die SPD solle – im Sinne des früheren Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Johannes Rau – wieder die Partei jener werden, die Solidarität brauchten, und jener, die Solidarität zu geben bereit seien. "Wir haben gestritten und waren immer freundschaftlich dabei", sagte Esken nach der Verkündung des Ergebnisses des Mitgliederentscheids. Walter-Borjans kündigte an, dafür sorgen zu wollen, "dass wir zusammenbleiben".

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Esken stehen der großen Koalition kritisch gegenüber. Bundesfinanzminister Scholz und die Brandenburgerin Geywitz hingegen traten für eine Fortführung ein. Man wolle auch aus Respekt vor den Verlierern des Mitgliederentscheids die Partei zu einem gemeinsamen Standpunkt in Sachen große Koalition bringen, sagte Walter-Borjans dem TV-Sender Phoenix. Das "Brückenbauen" innerhalb der SPD sei nun "ein Riesenberg Arbeit". Esken sagte dem Sender, ein großer Freund der schwarz-roten Koalition sei niemand in ihrer Partei. Der am 6. Dezember beginnende Parteitag werde über diese Frage entscheiden.

Satzungsänderung muss ein Führungsduo ermöglichen

Walter-Borjans bekräftigte die Auffassung, dass beispielsweise beim Klimaschutz ehrgeizigere Beschlüsse nötig seien. Es müsse geschaut werden, was mit dem Koalitionspartner umzusetzen sei und was nicht.

Die Unterlegenen sagten in einer ersten Reaktion, mit Walter-Borjans und Esken habe die SPD nun eine neue Parteiführung, hinter dieser müssten sich alle versammeln. Ziel bleibe, die SPD wieder stark zu machen, das sei gemeinsame Sache. 

Formal gewählt wird die neue SPD-Spitze am kommenden Freitag auf dem Bundesparteitag in Berlin. Die Delegierten müssen zuvor allerdings noch der nötigen Satzungsänderung zustimmen – bisher kann nur eine einzelne Person an der Spitze der SPD stehen.

Zu der Stichwahl waren vom 19. bis zum 29. November 425.630 Sozialdemokraten aufgerufen; sie konnten online oder per Brief abstimmen. In der ersten Runde im Oktober hatte die Parteibasis die Wahl zwischen insgesamt sechs Zweierteams gehabt.