In der CDU hat eine Debatte darüber begonnen, wie eine mögliche Minderheitsregierung in Thüringen unter Führung von Spitzenkandidat Mike Mohring aussehen könnte. Der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte empfahl dem Landeschef, bei der Wahl des Ministerpräsidenten im Landtag anzutreten. Die CDU sei mit einem Ministerpräsidentenkandidaten in den Wahlkampf gegangen und sollte diese Angebote "im Parlament aufrechterhalten", sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Mike Mohring sollte dort zur Wahl antreten."

Die künftige Thüringer Regierung könne sich nicht auf eine parlamentarische Mehrheit stützen. "Daher ist es notwendig, offen für ungewöhnliche Konstellationen zu sein", sagte Hirte. Er plädierte dafür, Gesetzesvorhaben "von Fall zu Fall" zu besprechen und zu entscheiden. Die CDU als stärkste Kraft der bürgerlichen Mitte könnte dabei die Initiative übernehmen. Eine Koalition oder Duldung von Linkspartei oder AfD sei für die Christdemokraten aber ausgeschlossen, sagte Hirte.

Zuvor hatte CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring eine "Minderheit der bürgerlichen Mitte" für eine Regierung ins Gespräch gebracht. Er spielte damit auf eine Koalition aus CDU, SPD, Grünen und FDP an. Sie würde im neuen Landtag allerdings keine Mehrheit haben und wäre im Parlament im ersten und zweiten Wahlgang auf Stimmen von Linken oder AfD angewiesen. Im entscheidenden dritten Wahlgang würde dann eine relative Mehrheit ausreichen. Nach einer Wahl Mohrings bräuchte eine CDU-geführte Minderheitsregierung aber in jedem Fall die Unterstützung von Abgeordneten der AfD oder der Linkspartei, um Gesetze zu verabschieden.

Fraktionsvize Heym sieht AfD als "konservative" Partei

Der CDU-Vizefraktionschef in Thüringen, Michael Heym, hält laut einem Bericht der Welt eine Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD für möglich. Er wies der Zeitung zufolge darauf hin, dass es im neu gewählten Landtag eine "bürgerliche Mehrheit rechts" gebe. CDU, FDP und AfD hätten eine Mehrheit von 48 Stimmen, sagte er. Heym forderte, die AfD müsse sich bewegen, um sich in ein bürgerliches Bündnis zu integrieren. Er hätte kein Problem damit, wenn die AfD ein Bündnis mit einem CDU-Ministerpräsidenten toleriert, hieß es.

Er sehe die AfD als "konservative" Partei, sagte Heym. Den "immer gleich lautenden Reflex, dass das alles Nazis wären", teile er so nicht, berichtete die Welt weiter. Heym hatte sich bereits nach der Wahl dagegen ausgesprochen, eine Koalition mit der AfD in Thüringen auszuschließen

Parteitagsbeschluss schließt Zusammenarbeit mit AfD aus

Bei der Wahl am Sonntag wurde die Linkspartei von Ministerpräsident Bodo Ramelow mit 31 Prozent klar stärkste Kraft. Das bisherige rot-rot-grüne Bündnis verlor aber seine Mehrheit. Ramelow hatte dennoch angekündigt, sich bald im Landtag zur Wahl zu stellen. Die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig, weil CDU und FDP ein Bündnis mit der Linken ausschließen. Ebenso lehnen alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ab, die noch vor der CDU am zweitbesten abschnitt. Zudem ist unsicher, ob die FDP nach Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses tatsächlich knapp in den Landtag einzieht.

Der langjährige Bundestagsabgeordnete und frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz kritisierte auf Twitter die Überlegung zu einer Kooperation mit der AfD. Er wies auf einen Parteitagsbeschluss hin, der eine Zusammenarbeit ausschließt. Die CDU hatte im Dezember 2018 auf einem Bundesparteitag in Hamburg vereinbart, dass sie "jegliche Koalitionen oder ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD" ablehne.