Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland kritisiert den Vorstoß von 17 thüringischen CDU-Politikern, die für "ergebnisoffene" Gespräche mit der AfD über eine Regierungsbildung in dem Bundesland werben. Das sei verantwortungslos, sagte Josef Schuster dem Tagesspiegel. "Denn sie tragen dazu bei, die AfD weiter salonfähig zu machen."

Schuster erinnerte daran, dass sich schon einmal in der deutschen Geschichte, in der Weimarer Republik, "bürgerliche Politiker als Steigbügelhalter für eine Partei von rechts außen betätigt" und damit "furchtbar geirrt" hätten. "Das sollte bis heute eine ausreichende Warnung für alle Demokraten sein."

In einem gemeinsamen Schreiben hatten 17 Thüringer CDU-Politiker ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit der von Björn Höcke geführten AfD gefordert. Der "Appell konservativer Unionsmitglieder in Thüringen" wurde unter der Überschrift "Demokratie braucht Dialog" verbreitet. Sie beziehen sich darauf, dass knapp ein Viertel der Bürger die AfD gewählt habe, was man nicht ignorieren dürfe. Der stellvertretende thüringische CDU-Fraktionschef Michael Heym hatte mit Blick auf das Wahlergebnis gesagt: "Man tut der Demokratie keinen Gefallen, wenn man ein Viertel der Wählerschaft verprellt."

Die Führung der thüringischen CDU hat solche Gespräche wiederholt abgelehnt. Eine Zusammenarbeit mit der Linken oder der AfD werde es nicht geben, sagte am Dienstag Landes-Generalsekretär Raymond Walk. "Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gilt." Walk bekräftigte, dass Landesparteichef Mike Mohring "ein Bündnis der Mitte" mit SPD, Grünen und FDP als Minderheitsregierung versuchen will.

Erst vergangene Woche hatte der CDU-Landesvorstand per Beschluss eine Koalition mit der Linkspartei und der AfD abgelehnt. Die 17 Kommunalpolitiker sprachen von einer "Ausschließeritis" und kritisierten den Beschluss. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte ihren Vorstoß "irre". Seine Partei habe dazu einst einen Beschluss auf einem Bundesparteitag gefasst.  Ähnlich äußerte sich der langjährige Bundestagsabgeordnete und ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, der die 17 Politiker als "politische Geisterfahrer" bezeichnete.

Die CDU war bei der Landtagswahl am 27. Oktober nach vorläufigem Ergebnis mit 21,8 Prozent nur noch auf Platz drei hinter den Linken und der AfD gelandet. Heym kommentierte das mit den Worten: "Rechnerisch reicht es für ein Bündnis aus AfD, CDU und FDP. Ich finde, das sollte man nicht von vornherein ausschließen." Mehrere CDU-Politiker verlangten daraufhin Heyms Ausschluss aus der Partei.