Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat vor mehreren Tausend Landwirten in Berlin geplante Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz verteidigt. Die CDU-Politikerin versprach den Landwirten bei ihrer großen Protestkundgebung auch mehr Beteiligung. Beim Insektenschutz solle jede Maßnahme mit den Bauern besprochen und auf ihre Wirkung hin untersucht werden.

Klöckner rief die Branche zugleich auf, sich gesellschaftlichen Erwartungen zu stellen. Wo zu viel Nitrat im Grundwasser gemessen werde, "da müssen wir reagieren", sagte sie mit Blick auf strengere Düngeregeln.

Für kommenden Montag kündigte die Ministerin ein Treffen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an, zu dem rund 40 landwirtschaftliche Organisationen eingeladen seien. Klöckner kritisierte Erwartungen an mehr Umwelt- und Tierschutz, während es in Supermärkten Billigpreise für Fleisch und Wurst gebe. Es sei unanständig, so etwas anzubieten – aber auch, so etwas zu kaufen.

Im Bundestag hatte Klöckner zuvor mehr Verständnis für die Lage der Landwirte angemahnt. "Sie haben es satt, aus städtischer Perspektive belehrt zu werden, wie Landwirtschaft auszusehen hat." Bauern seien nicht nur Landschaftsgärtner. Klöckner betonte zugleich, strengere Düngeregeln müssten umgesetzt werden, um EU-Strafzahlungen wegen zu viel Nitrats im Grundwasser zu verhindern. Neue Methoden im Umgang mit Gülle würden auch gefördert. "Wir setzen auf das Miteinander statt auf das Gegeneinander."

Landwirtschaft - Diskussion über Agrarpolitik im Bundestag Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat Verständnis für die Proteste der Landwirte. Renate Künast von den Grünen bemängelt die fehlenden Kontrollen im Agrarsystem. © Foto: Kay Nietfeld

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) warb vor den demonstrierenden Bauern für klare Regeln zum Schutz von Grundwasser und Insekten – und wurde dafür ausgebuht. Sie wolle, dass Landwirte "Teil der Lösung" seien und setze darauf, dass auch die Bauern ein Interesse daran hätten, dass es in Zukunft noch sauberes Wasser und Bestäuber gebe. "Aber wir brauchen auch klare Regeln", betonte sie.

Der Protest der Landwirte richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Die Bauern warnen vor einer Existenzgefährdung von Betrieben und fordern von der Politik eine stärkere Einbeziehung bei neuen Umweltauflagen. Zu der Kundgebung waren nach Angaben der Veranstalter 5.600 Traktoren in die Hauptstadt gerollt.

Agrarpolitik - Tausende Trecker bei Demo in Berlin Die Landwirte demonstrieren mit ihrer Trecker-Sternfahrt in die Hauptstadt gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Sie sorgen sich, dass es ihre Existenz bedrohe. © Foto: Monika Skolimowska