Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat die Bewerberinnen und Bewerber um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten vor einem zu starken politischen linken Kurs gewarnt. Damit würden viele Wählerinnen und Wähler verschreckt, die ansonsten offen wären, dem Kandidaten der Partei im kommenden Jahr ihre Stimme zu geben, sagte Obama am Freitag vor wohlhabenden Spendern der Demokraten in Washington. Zwar ließ er offen, welche Bewerberinnen und Bewerber er genau meinte. Doch wurde seine Mahnung als Hinweis auf Bedenken gegenüber den Kandidaturen der linken Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders verstanden.

Warren und Sanders fordern beide einen massiven strukturellen Wandel, Sanders spricht sogar von einer "Revolution". Der moderate Flügel der Demokraten warnt schon seit Monaten, dass ein sehr linker Kandidat gemäßigte Republikaner und unabhängige Wählerinnen abschrecken könnte. Gerade diese brauche es aber, um den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump zu schlagen, argumentieren Parteimitglieder. 

Obama äußerte ähnliche Bedenken. "Der Durchschnittsamerikaner glaubt nicht, dass wir das System komplett niederreißen und neu gestalten müssen. Und ich denke, dass es wichtig ist, das nicht aus dem Blick zu verlieren", sagte der 58-Jährige. "Es gibt eine Menge überzeugbare Wähler und es gibt eine Menge Demokraten da draußen, die einfach nur wollen, dass Dinge einen Sinn ergeben. Sie wollen nur kein verrücktes Zeug sehen." Vielmehr wünschten sie sich, dass es ein bisschen fairer zugehe und ein bisschen gerechter. Die wichtige Frage sei, wie die Demokraten dies angehen werden.   

Der 44. US-Präsident hat es bisher weitgehend vermieden, sich öffentlich zum Vorwahlkampf seiner Partei zu äußern.

Zwischen dem progressiven Flügel der Demokraten und der gemäßigten Mitte, zu der auch der ehemalige Vizepräsident Joe Biden gehört, ist die Kluft in den letzten Monaten gewachsen. Große Unterschiede gibt es zum Beispiel bei den Themen Einwanderungen und der Gesundheitsversorgung. Die beiden Linken Sanders und Warren wollen zum Beispiel eine Art Bürgerkrankenversicherung einführen, in die alle einzahlen und von der alle profitieren. Zudem fordert Warren beim Thema Einwanderung, dass das Überqueren der Staatsgrenze ohne gültige Papiere entkriminalisiert werden soll. Der gemäßigte Präsidentschaftskandidat Joe Biden hingegen verteidigte das Gesundheitssystem des ehemaligen Präsidenten Obama und dessen hohe Abschiede- und Inhaftierungsrate von Immigrantinnen und Immigranten.

"Linksgerichtete Twitter-Feeds" seien nicht die Mehrheit

Obamas Ansicht zufolge gehen die Pläne der linken Bewerberinnen und Bewerber mit der öffentlichen Meinung auseinander. "Selbst wenn wir bis an die Grenze gehen und mutig in unserer Vision sind, müssen wir fest in der Realität und der Tatsache verwurzelt sein, dass Wähler, darunter demokratische Wähler und ganz bestimmt überzeugbare Unabhängige oder sogar moderate Republikaner, nicht von denselben Ansichten getrieben sind, die auf bestimmten, Sie wissen schon, linksgerichteten Twitter-Feeds widergespiegelt werden", so der Ex-Präsident.

Der Friedensnobelpreisträger versuchte auch Sorgen von Parteikolleginnen und -kollegen über das dicht gedrängte Bewerberfeld der Demokraten zu zerstreuen. Einige befürchten, dass das Nominierungsrennen dadurch unnötig in die Länge gezogen werde. Wenn dann der Kandidat oder die Kandidatin feststehe, habe er oder sie womöglich weniger Zeit für die Vorbereitung auf die eigentliche Wahl, heißt es intern. "Ich muss Sie nur daran erinnern, dass ich eine sehr robuste Vorwahl hatte", sagte Obama. Am Ende habe er sich in einem ziemlich harten und langwierigen Prozedere gegen Hillary Clinton durchgesetzt. Und die Leute hätten vergessen, dass "wir schon vorher ein großes Bewerberfeld mit ernstzunehmenden, fähigen Leuten hatten".

In den vergangen Wochen haben gemäßigte und etablierte Demokraten und Topspender als auch einige Strategen Bedenken geäußert, dass der Partei eine starke Gegenkandidatur fehle, die den derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump besiegen könnte. Dass Obama seine Rede vor einer Gesellschaft wohlhabender, liberaler Unterstützerinnen und Unterstützer gehalten hat, gibt den Bedenken Nachdruck.