Zwei Tage vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Madrid hat Entwicklungsminister Gerd Müller die Dimension der jährlich stattfindenden Weltklimakonferenz infrage gestellt. "Wir brauchen nicht jedes Jahr eine Weltklimakonferenz in dieser Dimension. Das ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen", sagte der CSU-Politiker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Es sei ineffektiv, wenn bis zu 30.000 Teilnehmende jedes Jahr für zwei Wochen rund um den Globus fliegen. Die Delegation seines Ministeriums habe er deshalb halbiert. Nach Madrid reisen laut Müller nur die Experten an, die in den Verhandlungsrunden unbedingt benötigt werden. Auf hochrangiger politischer Ebene reiche ein zweijähriger Turnus. Dazwischen seien kleinere, lokale Formate denkbar.

Müller selbst wird nicht an der Konferenz teilnehmen und stattdessen mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nach Äthiopien reisen. Die Minister planen dort, Klimaflüchtlinge zu treffen. "Wir gehen im Augenblick von circa 20 Millionen Klimaflüchtlingen in Afrika aus", sagte Müller. Wenn die Erderwärmung sich weiter fortsetze, könnten es nach Einschätzung von Experten in zehn Jahren bereits 100 Millionen sein. "Dann wird der Migrationsdruck nach Europa dramatisch steigen." Und: Hunger, Not und Elend seien "die Basis für Kriege und Terror".

Treffpunkt der internationalen Klimadiplomatie sollte eigentlich Santiago de Chile sein. Wegen der anhaltenden Proteste im Land hat die chilenische Regierung die Konferenz jedoch abgesagt. Daraufhin hat Spanien seine Hauptstadt als Austragungsort für das Treffen vom 2. bis zum 13. Dezember angeboten.

Drei Tage vor dem Start der Konferenz protestierten am Freitag erneut in aller Welt Menschen für mehr Klimaschutz. Allein in Deutschland beteiligten sich nach Angaben der Bewegung Fridays for Future mehr als 630.000 Menschen an Protesten. Insgesamt sind Klimakundgebungen in mehr als 500 deutschen Städten angekündigt worden.