Die Staatsministerin für Integration Annette Widmann-Mauz (CDU) hat Sprachtests für Kinder in Kitas gefordert. "Wichtig ist, dass alle Kinder die gleichen Startchancen haben und dazu brauchen wir flächendeckend diese Tests", sagte die Integrationsbeauftragte bei der Vorstellung des 12. Berichts zum Stand der Integration in Berlin. Im Anschluss an die Tests müssten Kinder zur Teilnahme an Sprachlernkursen verpflichtet werden können, um beim Schuleintritt Deutsch zu sprechen.

Der Staatsministerin zufolge sollen die Tests für alle Kinder in Kitas gelten, unabhängig von der Herkunft. "Die Frage, ob man Deutsch kann, wenn man in die Schule kommt, ist keine Frage des Migrationshintergrunds", sagte Widmann-Mauz. Dennoch gebe es aber einen starken Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Herkunft, heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Deutschland kann Integration". Demzufolge profitieren Kinder mit Migrationshintergrund am stärksten von Angeboten frühkindlicher Bildung.

Auch sprach sich Widmann-Mauz dafür aus, stärker gegen Diskriminierung in Bildungseinrichtungen vorzugehen. Unter anderem plädierte sie für verpflichtende Fortbildungen für pädagogisches Personal: Lehrerinnen und Lehrer müssten interkulturell kompetent sein. Außerdem brauche es neutrale Anlaufstellen für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Weil Diskriminierung auch in der Schule stattfinde, sei es wichtig, dass sich Betroffene an eine unabhängige Institution wenden könnten. "Wir sind verantwortlich dafür, dass wir diesen Menschen eine Chance geben, gehört zu werden", sagte Widmann-Mauz. Auch Rahmenlehrpläne und Lehrmaterialien müssten "die Vielfalt in unserer Gesellschaft widerspiegeln", heißt es dazu im Integrationsbericht.

Frauenförderung verbessert Bildungschancen kommender Generationen

Von einer notwendigen "Integrations-Offensive" sprach Widmann-Mauz in Bezug auf Frauen. Jede zweite arbeitslose Frau habe einen Migrationshintergrund. Die Staatsministerin schlug gesonderte Unterstützungs- und Beratungsangebote für betroffene Frauen vor. Ansonsten ginge viel Potenzial verloren: Wie der Bericht hervorhebt, sind selbst hochqualifizierte Frauen mit Migrationshintergrund häufiger arbeitslos als deutsche. Auch sei gezielte Frauenförderung im Hinblick auf kommende Generationen wirksam, heißt es in dem Bericht: Weil Frauen diejenigen seien, "die Rollenbilder, Werte und Normen in ihren Familien und ihrem Umfeld vermitteln", müssten sie bei dieser Aufgabe gesondert unterstützt werden.

Vertreterinnen der Opposition widersprachen der Staatsministerin nicht, kritisierten jedoch die mangelnde Erwähnung von Fragen der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei der Präsentation des Berichts. So sagte die migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gökay Akbulut: "Die rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise ein gesicherter Aufenthaltstitel, sind entscheidend für das Ankommen und die Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt sowie in der Gesellschaft."

Dem schloss sich Filiz Polat, Sprecherin der Grünen für Migrations- und Integrationspolitik, an. Zunehmend entscheide der Aufenthaltsstatus über Möglichkeit und Chance auf Teilhabe, sagte sie. "Statt den Zugang zu Integrationsangeboten zu vereinfachen, baut die Bundesregierung seit Jahren mehr und mehr Hürden auf." Deutschland sei noch weit entfernt von einer gelebten Einwanderungsgesellschaft, in der für alle eine aktive, sichtbare und gerechte Teilhabe möglich sei.