Nach dem überraschenden Ausgang des SPD-Entscheids über die neue Parteispitze hat die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis für ein Ende der großen Koalition geworben. Mit dem Sieg des Duos Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans beim Mitgliederentscheid sei ein erster Schritt zu einer neuen Positionierung der SPD gemacht, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Mattheis, die dem linken Parteiflügel angehört, sagte, die SPD müsse sich jetzt auf Inhalte wie Verteilungsfragen und soziale Gerechtigkeit konzentrieren. "Für mich sind diese Themen nur umsetzbar außerhalb der großen Koalition", sagte Mattheis. Der SPD-Parteitag müsse das entscheiden.

Union und SPD seien schon immer auf unterschiedlichen Sternen gewesen. "Und die Sterne kommen nie zusammen." Die SPD verliere mehr Stimmen in der Groko als außerhalb der Bundesregierung, sagte Mattheis. Sie warb für die Option einer Minderheitsregierung, falls die Groko platzt. Dann müsse sich die Union für Projekte Mehrheiten suchen. Das sei eine "wunderbare Chance zur Belebung des Parlamentarismus". Die SPD würde dann sinnvolle, gute Gesetze auch unterstützen.

Nach dem SPD-Entscheid über die neue Parteispitze wird über ein vorzeitiges Ende der großen Koalition spekuliert. Die Grokoskeptiker Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken hatten den Mitgliederentscheid um den SPD-Vorsitz gewonnen – und deutlich gemacht, dass sie in der großen Koalition in zentralen Fragen einen neuen Kurs durchsetzen wollen. Zu den Forderungen der neuen Vorsitzenden zählen mehr Klimaschutz, eine massive Ausweitung der Investitionen in Schulen und Straßen und mehr Soziales.