Die neuen SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sind bereit, mit der Union auch über deren Forderung nach niedrigeren Unternehmensteuern zu verhandeln. Esken sagte, das sei "grundsätzlich denkbar". Der finanzielle Ausgleich müsse aber "auf der richtigen Seite" stattfinden: "Das dürfen nicht die kleinen und mittleren Einkommen tragen müssen." 

Wenn man wie die Union großen Wert auf einen Haushalt ohne neue Schulden lege, müsse man die Einnahmen stabil halten, sagte Esken – und zwar auf Kosten der Reicheren, nicht der Ärmeren. Walter-Borjans äußerte sich ähnlich. Es sei "das Grundprinzip einer stabilen, sozialen aber auch wirtschaftlich erfolgreichen Gesellschaft", dass stärkere Schultern mehr tragen müssten als schwache. 

Zunächst aber wollen Esken und Walter-Borjans in den Gesprächen mit dem Koalitionspartner zur Halbzeit der Legislaturperiode die Themen ansprechen, die ihnen der SPD-Parteitag mit auf den Weg gegeben hat: mehr Investitionen, einen höheren Mindestlohn und besseren Klimaschutz. Danach könnten auch andere Dinge auf den Tisch kommen.

Unter anderem die Idee einer Kindergrundsicherung werde sie sicher immer wieder vorbringen, kündigte Esken an. Walter-Borjans will bei der Frage nach einer Vermögensteuer nicht lockerlassen. Er sagte, er nehme Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Wort, wenn diese ihre Sorge über das Auseinanderdriften der Gesellschaft äußere. Merkel könne nicht gleichzeitig die Unternehmensteuern senken und den Soli für die oberen zehn Prozent abschaffen wollen, aber eine Vermögensteuer ablehnen.

Die Union und viele Wirtschaftsvertreter fordern eine größere Reform der Unternehmensteuern, um in Deutschland ansässige Firmen angesichts der relativ schwachen Konjunktur zu entlasten. In den USA und manchen anderen Ländern wurden die Steuern bereits gesenkt. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat einer umfassenden Reform jedoch bisher eine Absage erteilt. Er sagte, ein internationaler Steuersenkungswettbewerb müsse vermieden werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Staat seine Aufgaben nicht mehr erfüllen könne.