Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien bei Minderjährigen auf den Weg gebracht. Wer die Pseudotherapien gegen Homosexualität anbietet, muss künftig mit Bußgeldern und bis zu einjährigen Gefängnisstrafen rechnen.

"Homosexualität ist keine Krankheit. Daher ist schon der Begriff Therapie irreführend", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Durch "Konversionstherapien" entstehe oft schweres körperliches und seelisches Leid. "Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund." Ein Verbot sei auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen an alle, die mit ihrer Homosexualität haderten: "Es ist okay, so wie du bist."

Spahn hatte seine Pläne für ein Verbot zuvor nochmals verschärft und Ausnahmen für Heranwachsende gestrichen, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtete. Demnach wird die "Konversionstherapie" auch bei 16- bis 18-Jährigen künftig verboten. Ursprünglich war ein generelles Verbot nur bis zum Alter von 16 Jahren geplant.

Strafen drohen künftig auch, wenn die Betroffenen zwar schon volljährig sind, aber zum Beispiel durch Zwang, Drohung oder Täuschung zu einer solchen "Behandlung" verleitet oder nicht über die "Schädlichkeit der Behandlung" aufgeklärt wurden, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Eltern könnten "bei gröblicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht" ebenfalls bestraft werden.

Bei Verstößen gegen das Verbot des Bewerbens, Anbietens und Vermittelns sind Bußgelder bis zu 30.000 Euro geplant. Nach Schätzungen des Ministeriums werden in Deutschland jährlich etwa 2.000 der sogenannten Konversionstherapien angewendet.

SPD-Fraktionsvizin lobt Nachbesserung

Der Ansatz der sogenannten Konversions- oder auch Reparativtherapien wird insbesondere von Vertreterinnen und Vertretern christlich-evangelikaler Kirchen befürwortet, die die Auffassung vertreten, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung und deshalb heilbar. Ärzte warnen hingegen, Umpolungsversuche seien nicht nur unwirksam, sie könnten sich sogar negativ auf die Gesundheit auswirken.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, kündigte eine genaue Prüfung des Kabinettsentwurfs an. Ihre Fraktion werde sich im parlamentarischen Verfahren für ein möglichst weitgehendes Verbot einsetzen. "Ich würde mir ein umfassendes Verbot der sogenannten Konversionstherapie auch für Erwachsene wünschen, das ist allerdings rechtlich schwer umsetzbar", teilte Bas mit. Im Kabinettsentwurf sei ein Verbot bei allen Minderjährigen vorgesehen, dies sei eine klare Verbesserung zum vorherigen Referentenentwurf.