Die AfD ist weiterhin nicht im Bundestagspräsidium vertreten. Die Fraktion scheiterte erneut mit dem Versuch, den Posten eines Vizepräsidenten zu besetzen. Ihr Abgeordneter Paul Viktor Podolay erhielt auch im dritten und damit letztmöglichen Wahlgang nicht die erforderlichen 355 Stimmen. Zuvor war er bereits im November und im September gescheitert. Im dritten Wahlgang bekam der 73-Jährige nur 197 Jastimmen. 397 Abgeordnete stimmten mit Nein, 36 enthielten sich.

Vor Podolay hatten sich für die AfD schon Albrecht Glaser, Mariana Harder-Kühnel und Gerold Otten erfolglos um den Vizepräsidentenposten beworben. Alle drei Abgeordneten waren wie jetzt Podolay jeweils dreimal bei den Abstimmungen durchgefallen. Eigentlich steht jeder Fraktion ein Vizepräsidentenposten zu, sie muss für ihren Kandidaten aber eine Mehrheit bekommen.

Aus Sicht der AfD ist die Nicht-Wahl ihrer Kandidaten ein undemokratischer Akt der Ausgrenzung. Podolay sagte, das demonstriere, "dass sie das Repräsentanzrecht unserer Millionen von Wählern grundsätzlich verachten und uns als demokratisch gewählte Oppositionsabgeordnete systematisch ausgrenzen". Die AfD war 2017 mit 13 Prozent in den Bundestag gekommen und stellt dort die größte Oppositionsfraktion. Die Rechtsexperten der Fraktion haben bereits angekündigt, sich auch juristisch gegen die Nichtwahl ihrer Kandidaten wehren zu wollen.

Die Abgeordneten der anderen Fraktionen begründen ihr Nein teils mit der politischen Einstellung und mit früheren Äußerungen der Kandidaten, teils mit ihrer generellen Ablehnung der AfD.

Ablehnung auch in Thüringen

Auch in Thüringen verfehlte die Kandidatin der AfD-Fraktion, Tosca Kniese, erneut die notwendige Mehrheit für die Wahl zur Landtagsvizepräsidentin. Das "widerspricht in grotesker Weise dem Wählerwillen", kritisierte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Stefan Möller.

Seit Längerem gibt es im Magdeburger Landtag und in der Hamburger Bürgerschaft AfD-Vizepräsidenten. In Sachsen wurde nach der Landtagswahl im September der Sozialpolitiker André Wendt gewählt. In Brandenburg gehören drei AfD-Abgeordnete dem elf Mitglieder zählenden Präsidium an, ebenso in Baden-Württemberg. In Niedersachsen sind zwei AfD-Parlamentarier im Präsidium. Im Saarland gehört einer dem Präsidium an. In allen anderen scheiterten die AfD-Kandidaten oder die Geschäftsordnungen machten eine Wahl oder Berufung nicht notwendig.