Zudem wären solche Nachverhandlungen, Pardon, Gespräche mit der Union natürlich immer auch mit dem Risiko behaftet, dass der Koalitionspartner sich diese hoch bezahlen lassen würde. Für Irritation sorgte in der SPD daher ein TV-Auftritt des Juso-Chefs Kühnert am Sonntagabend. Die Union habe doch vielleicht auch Gesprächsbedarf, sagte Kühnert, etwa bei den Themen Unternehmenssteuerreform, dem Rest-Soli und den Auslandseinsätzen. Da dürfte der ein oder andere Genosse den Atem angehalten haben. Mehr Auslandseinsätze zum Beispiel, die lehnt SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich streng ab.

Sowieso ist die Stimmung vor allem unter den 153 Bundestagsabgeordneten sehr angespannt. "Unnötig" und "gefährlich" sei die Forderung nach Nachverhandlungen des Koalitionsvertrags, sagte der Vorsitzende der baden-württembergischen SPD-Landesgruppe im Bundestag Martin Rosemann. Schließlich haben vor allem die konservativen Unionler schon klargemacht, dass sie auch gut mit einer Minderheitsregierung leben könnten, sollte die SPD zu aufmüpfig daherkommen. Auch der in der Partei angesehene SPD- Ministerpräsident Stephan Weil warnte zu Wochenbeginn vor allzu ambitionierten Nachverhandlungen – und einem möglicherweise daraus resultierenden Bruch der großen Koalition. Nach allen Umfragen würde ein Ausstieg aus der Koalition bei den Bürgern auf wenig Verständnis stoßen, sagte Weil dem Handelsblatt

Tatsächlich spricht sich in Umfragen regelmäßig eine Mehrheit der Deutschen dafür aus, dass die große Koalition bis 2021 im Amt bleibt. Das Abstimmungsergebnis für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans lasse sich nicht als klares Veto gegen die große Koalition lesen, heißt es jetzt oft in der SPD. Die 27 Prozent aller SPD-Mitglieder, die ihre Stimme für die Gewinner abgaben, könnten auch einfach nur eine Entscheidung gegen den in Teilen der Partei verhassten Olaf Scholz und das ewige "Weiter so" getroffen haben.

Doch was machen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, mit Teilen der Jusos, ihrer tatkräftigen Unterstützergruppe, die zuletzt schon verkündeten: "Am Nikolaus ist Groko-Aus?" Ist es ihnen wirklich wert, in der Koalition zu bleiben, die sie doch als schädlich für die deutsche Sozialdemokratie und letztlich ihren Job empfinden? Die nächsten Tage werden es zeigen.