In der Debatte um drei geplante türkische Schulen in Deutschland ruft Gökay Sofuoğlu zu mehr Gelassenheit auf. Es gebe auch Dutzende russische Schulen in Deutschland oder Schulen, deren Trägervereine der Gülen-Bewegung nahestehen sollen, sagte der Bundesvorsitzende des Vereins Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) im Deutschlandfunk.

Wichtig sei die politische und ideologische Unabhängigkeit der Schulen. Lehrpläne und Schulaufsicht müssten bei den deutschen Bundesländern liegen, forderte Sofuoğlu. Insgesamt solle es aber mehr Türkischunterricht an deutschen Schulen geben, etwa als zweite Fremdsprache. Denn Türkisch sei die zweitgrößte Sprache im Land. "Es ist eine gute Grundlage, jetzt mal darüber zu diskutieren, ob dieser Bedarf da ist – unabhängig davon, wie skeptisch man den Schulen gegenübersteht, die ja jetzt gerade von Erdoğan in Deutschland geplant sind."

Private Vereine als Träger

Auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, warnte im Redaktionsnetzwerk Deutschland vor übertriebenen Reaktionen. "Wie auch bei anderen Schulgründungen muss genau hingesehen werden, aber es braucht auch ein Grundvertrauen in die rechtlichen Rahmenbedingungen, die vorhanden sind und durch das aktuell verhandelte Abkommen ausdefiniert werden."

"Deutschland wird natürlich sehr genau darauf schauen, was in diesen Schulen passiert. Deshalb bin ich da relativ gelassen", sagte der Integrationsforscher Yunus Ulusoy von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen der Welt. Eine Chance bedeuteten die Schulen für Kinder, die an deutschen Einrichtungen eventuell benachteiligt würden: "Türkischstämmige haben im deutschen Bildungssystem nicht immer Bildungsgerechtigkeit. Aber vielleicht tragen diese Schulen auch dazu bei, dass manche Kinder Chancen bekommen, die sie im deutschen Schulsystem nicht bekommen hätten."

Der Integrationsforscher glaubt zudem, dass in ein paar Jahren türkische Schulen anders betrachtet werden als heute. "Schulen werden nicht für ein paar Jahre gebaut, sondern sind langfristig angelegt. Und es gibt auch eine Türkei ohne Erdogan."

Als Standorte für die türkischen Schulen sind Berlin, Köln und Frankfurt am Main im Gespräch. In diesen Städten gibt es besonders viele Menschen mit türkischen Wurzeln. Die Türkei – ebenso wie andere Staaten – darf nicht selbst als Schulträger in Erscheinung treten. Diese Rolle müssten private Vereine übernehmen, so ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Seinen Angaben zufolge gibt es bereits mit über 20 Staaten Bildungsabkommen. An den aktuellen Verhandlungen seien neben dem Auswärtigen Amt auch die betroffenen Landesregierungen sowie die Kultusministerkonferenz beteiligt, um den rechtlichen Rahmen für die Einrichtung der drei Schulen in Deutschland zu regeln – analog zu den drei deutschen Auslandsschulen in Ankara, Istanbul und Izmir.

Die geplanten türkischen Schulen in Deutschland sollen als sogenannte Ersatzschulen betrieben werden. So bezeichnet man Privatschulen, die zwar selbst Lehrmethoden wählen und Personal einstellen dürfen, aber Lerninhalte vermitteln, die denen in öffentlichen Schulen gleichwertig sind. Sie benötigen eine staatliche Genehmigung und unterstehen den jeweiligen Landesgesetzen.