Die Grünen missbilligen das Trainingslager des FC Bayern München in Katar. Um sich auf die Rückrunde der Bundesliga vorzubereiten, sind die Fußballer in diesem Jahr schon zum zehnten Mal in das Emirat geflogen – obwohl die Kritik an Menschenrechtsverletzungen, etwa durch die miserablen Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeiter auf den Baustellen zur Fußball-WM 2022, nicht abreißt. 

Trotz einiger zögerlicher Reformen sei die Menschenrechtslage in Katar nach wie vor besorgniserregend, sagte Margarete Bause, Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Grünen-Bundestagsfraktion. Der FC Bayern habe "noch erheblich Luft nach oben, sich für die Verbesserung der Menschenrechte einzusetzen".

Das sogenannte Kafala-System mache "Arbeitsmigranten praktisch zu entrechteten Leibeigenen ihrer katarischen Arbeitgeber", sagte Bause. Und nur, weil auch die Frauenmannschaft des Vereins in Katar trainiere, verbesserten sich nicht automatisch die Frauenrechte vor Ort. Unter dem System der Kafala sind die Arbeitgeber verantwortlich für Visa und legalen Status ihrer ausländischen Angestellten. Viele behalten die Pässe der Arbeitnehmer ein und machen sie so von sich abhängig.

Der Einfluss der Bayern

Der FC Bayern habe durchaus Einfluss in Katar, sagte Bause. Diese Macht müsse der Club mit Blick auf seine Vorbildfunktion auch nutzen. Er könne etwa Nichtregierungsorganisationen unterstützen, die sich für Menschen-, Arbeits- und Frauenrechte in der Region einsetzen. Außerdem solle der Verein "endlich seine Vereinssatzung um ein Bekenntnis zur Einhaltung der Menschenrechte gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ergänzen und aktiv für deren Schutz eintreten".

Seit die Münchner in der Winterpause nach Katar fliegen, gibt es fast in jedem Jahr heftige Kritik. 2015 etwa schrieb ein langjähriges Bayern-Mitglied einen offenen Brief an der Vorstand und drohte mit dem Austritt aus dem Verein. 2016 warf ein Sprecher des Internationalen Gewerkschaftsbundes dem Verein vor, moderne Sklaverei zu legitimieren. Auch dieses Jahr hing ein Banner in der Südkurve, auf dem zu lesen war: "Und wieder fliegen mit Kafala Airways die Menschenrechte davon!"

"Der Dialog verbessert Dinge, das Ignorieren und Kritisieren, wie es in unserem Land regelmäßig stattfindet, hilft nicht, eine Situation zu verändern", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen November. "Wir haben erreicht, dass sich viele Dinge verändern durch den Fußball."

Tatsächlich erließ Katar im Oktober Gesetze, um das Kafala-System schrittweise zu beenden. Die Reformen sollen es den Arbeitnehmern ermöglichen, ihren Arbeitgeber frei zu wechseln. Außerdem soll ein flächendeckender Mindestlohn gelten. Die Internationale Arbeitsorganisation "erkennt das Engagement des Staates Katar für den Wandel seines Arbeitsmarktes an", sagte Generaldirektor Guy Ryder im Oktober.