Nach den Ausschreitungen in Leipzig in der Silvesternacht werden in der Politik Rufe nach Konsequenzen laut. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte: "Diese Tat zeigt: Menschenverachtende Gewalt geht auch von Linksextremisten aus." Ein starker Staat sei nur mit starken Polizei- und Einsatzkräften möglich. Der CSU-Politiker forderte, "geschlossen hinter unseren Polizeibeamten" zu stehen, die sich "jeden Tag aufs Neue für unsere Sicherheit einsetzen".

Aus der CDU kam ähnliche Kritik. "Wir brauchen über alle Parteigrenzen hinweg wie beim Rechtsextremismus auch eine klare Verurteilung des Linksextremismus", forderte Vizefraktionschef der Union Thorsten Frei (CDU) aus dem Bundestag. Vertreterinnen und Vertreter anderer Parteien schlossen sich dem an. Sachsens neue Justizministerin Katja Meier (Grüne) sagte, sie verurteile jede Form von Gewalt. Auch Sachsens Polizeipräsident und Landesinnenminister Roland Wöller (CDU) hat die Randale missbilligt.

Kritik zog die Linke auf sich. Der CDU-Politiker Frei sagte, sie tue sich mit einer klaren Verurteilung der Tat "sehr schwer", ähnlich äußerte sich die CDU-Jugendorganisation Junge Union. Die Stadtrats- und Landtagsabgeordnete der Linken Juliane Nagel hatte von "ekelhafter Polizeigewalt" und "kalkulierter Provokation" gesprochen – die Beamten also für die Gewalt mitverantwortlich gemacht. Am Donnerstag räumte sie ein, sich auf Twitter "wohl unglücklich geäußert" zu haben. Das sei der Aufregung vor Ort geschuldet gewesen. Sie forderte eine deeskalierende Strategie der Polizei.

Die Landesparteispitze der Linken verurteilte die Angriffe. "Man bewirft andere Menschen nicht mit Pyrotechnik, nicht mit Flaschen und nicht mit Steinen. Wohin solche oder andere Gewalttaten führen können, zeigt die Silvesternacht nun auf besonders traurige Weise", so die Landesvorsitzenden Susanne Schaper und Stefan Hartmann. Linksfraktionschef im Bundestag Dietmar Bartsch sagte der Welt, sein Mitgefühl gelte den verletzten Polizisten: "Gewalt darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein."

Polizist musste notoperiert werden

Laut Polizei hatten sich am Silvesterabend etwa 1.000 Menschen am Connewitzer Kreuz im Leipziger Süden versammelt. Kurz nach Mitternacht schlug die Stimmung laut Polizei in Gewalt um: Feiernde hätten die Beamten gewaltsam angegriffen. Einem 38-jährigen Polizisten sei der Helm vom Kopf gerissen worden, bevor er attackiert worden sei, verlautete aus Polizeikreisen. Er verlor das Bewusstsein und musste nach Angaben der Polizei notoperiert werden. Er sei weiterhin im Krankenhaus, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, hieß es von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben des Landeskriminalamts wurden zwei weitere Polizisten bei dem Einsatz verletzt. Die Soko LinX des Landeskriminalamts ermittelt – unter anderem wegen versuchten Mordes. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen unter anderem wegen versuchten Mordes auf. Hinweise auf die Täter hatten die Ermittler am Donnerstag noch nicht.

Sachsens Innenminister Wöller will sich am Freitag mit Polizisten austauschen, die an dem Einsatz beteiligt waren, hieß es von der Bereitschaftspolizei. Auch Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar wird erwartet.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, zog Parallelen zu den Anfängen der RAF vor rund 50 Jahren: "Diese Attacken offenbaren klar die Handschrift linksextremer Kreise und erinnern in Zielsetzung und Ausführung fatal an die Ausbildung linksterroristischer Strukturen in den Siebzigerjahren", sagte er. Einen ähnlichen Vergleich hatte Leipzigs Bürgermeister Burkhard Jung (SPD) gezogen, als 2019 mutmaßlich Linksextremisten in Leipzig mehrere Baukräne angezündet und einen Millionenschaden verursacht hatten.

In Leipzig-Connewitz leben viele junge politisch Linke, sie prägen den Stadtteil auch durch den Protest gegen Gentrifizierung und steigende Mieten. Es gibt dort häufiger Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Leipziger CDU im Stadtrat warf Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor, den Kampf gegen Linksextremismus vernachlässigt zu haben. Im Februar steht in der sächsischen Großstadt die Wahl des Oberbürgermeisters an.