Politiker von CDU, CSU und FDP haben die geplante Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi kritisiert. "Die Politik der Europäischen Zentralbank unter Draghi hat nicht nur deutsche Sparer kontinuierlich enteignet, sondern die Altersvorsorge von Millionen Menschen in Deutschland geschmälert", sagte der CDU-Innenexperte Axel Fischer der Bild-Zeitung. "Dafür hat er aus meiner Sicht keine deutsche Auszeichnung verdient."

Warum Draghi das Bundesverdienstkreuz verliehen werden soll, erschließe sich nicht. "Seine (Geld-)Politik war vielleicht vordergründig hilfreich für einige südeuropäische Staaten. Für den Euroraum jedoch nicht und für Deutschland schon gar nicht", sagte Fischer.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will Draghi das Bundesverdienstkreuz am 31. Januar im Schloss Bellevue in Berlin überreichen. Die Auszeichnung verleiht Deutschland an in- und ausländische Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale oder geistige Leistungen. Draghi war acht Jahre EZB-Chef und in Deutschland immer wieder für seine Zinspolitik und den Kauf von Staatsanleihen kritisiert worden. Zum 1. November hatte ihn die Französin Christine Lagarde an der Spitze der EZB abgelöst.

Auch der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Toncar, kritisierte die Entscheidung. "Es ist nicht nachvollziehbar, für welche Verdienste Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz erhalten soll", teilte er mit. Seine Geldpolitik sei "ein kolossales Experiment mit bestenfalls offenem Ausgang" gewesen. Die Zinspolitik der EZB ziehe die Altersvorsorge von Millionen Menschen in Mitleidenschaft.

Ähnlich hatte sich zuvor schon CSU-Generalsekretär Blume geäußert. "Man muss sich vor Augen führen, dass nun ausgerechnet der Mann ausgezeichnet werden soll, der mit seiner Zinspolitik seit Jahren für eine Art schleichender Enteignung all jener steht, die vorausschauend zurückgelegt, gespart und für das Alter investiert haben", sagte er der Bild am Sonntag.