Nach der kontroversen Debatte um die Bürgermeisterkandidatur eines muslimischen CSU-Mitglieds in Wallerstein hat die CSU in einem anderen Ort doch noch einen Muslim als Bürgermeisterkandidat nominiert. Der Bankkaufmann Ozan İyibaş hat in Neufahrn bei Freising bei der Nominierungsversammlung alle 32 Stimmen erhalten und wird dort als Bürgermeister kandidieren. Das teilte der Kreisvorsitzende Florian Herrmann mit. Der gebürtige Freisinger İyibaş führte zuvor schon die CSU-Liste für die Gemeinderatswahl an.

Zuletzt hatte der CSU-Ortsverband in Wallerstein für innerparteiliche Diskussionen gesorgt, weil dort ein möglicher muslimischer Bürgermeisterkandidat, Sener Sahin, wegen des Widerstands der eigenen Parteibasis seine Kandidatur zurückzog. Der Wallersteiner CSU-Vorstand hatte mit Sahin in die bayerische Kommunalwahl am 15. März gehen wollen. Allerdings hatten viele Mitglieder Kritik daran geübt, dass ein Muslim für die Partei kandidiert.

Sahin war kein CSU-Mitglied, wollte im Fall einer Wahl jedoch in die Partei eintreten. Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder hatte den Vorfall später öffentlich bedauert. Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland Gökay Sofuoğlu sowie die Staatssekretärin für Integration in Nordrhein-Westfalen Serap Güler (CDU) kritisierten Sahins erzwungenen Rückzug.

Der nun nominierte İyibaş sagte, er sei "voll bayerisch und voll deutsch" und "genauso ein CSUler" wie jeder andere. Seit 2007 ist er Parteimitglied, seit 2015 Landesvorsitzender des Arbeitskreises Migration und Integration der CSU auf Landesebene. İyibaş gehört der Glaubensgruppe der Aleviten an. Die Konfession wird regelmäßig, aber nicht grundsätzlich dem Islam zugerechnet. Das Alevitentum gilt als deutlich liberaler und säkularer.