Das Bundesinnenministerium will nun doch nicht mehr vorschreiben, dass Pass- und Ausweisfotos künftig nur noch im Bürgeramt aufgenommen werden dürfen. Bürgerinnen und Bürger sollen sich auch in Zukunft "entscheiden können, ob sie die Passfotos künftig bei der Behörde oder in einem Fotogeschäft anfertigen lassen", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Wie die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichten, prüft das Ministerium die "Zulassung vertrauenswürdiger Fotografen" und spezielle Regelungen für eine "digitale Übertragung" des Passbilds von Fotografen an die Behörden.

Bisher sieht der Entwurf aus Seehofers Ressort vor, dass Fotos für einen Reisepass oder Personalausweis nur noch in Anwesenheit einer Amtsperson gemacht werden dürfen. Grund ist die Sorge vor Bildmanipulationen, etwa durch das sogenannte Morphing. Dabei werden Bilder von mehreren Gesichtern zu einem verschmolzen. Nach Angaben aus dem Innenministerium sind deutschen Sicherheitsbehörden drei Fälle von gemorphten Lichtbildern in Reisedokumenten bekannt – in einem Fall ging es um einen deutschen Reisepass.

Diese Pläne riefen heftige Kritik des Einzelhandels hervor, der hohe Umsatzeinbußen für Fotogeschäfte befürchtet. "Der Wegfall des Passbildgeschäftes würde neue Bürokratie schaffen und unmittelbar den Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten", sagte auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

"Bei der Sicherheit keine Kompromisse"

Nun versicherte das Ministerium, die Bundesregierung werde bei der Neuregelung "die Interessen des Einzelhandels und Handwerks, insbesondere von Fotografinnen und Fotografen, berücksichtigen". Auch Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei (CDU) hatte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zuvor versichert, es gehe um Sicherheit und "ganz gewiss nicht um die Verdrängung von Fotografen aus dem Passbildgeschäft".

Auch Bundesinnenminister Seehofer betonte die eigentliche Absicht hinter den Plänen, nämlich die Fälschungssicherheit zu erhöhen. "Bei der Sicherheit unserer Identitätsdokumente machen wir keine Kompromisse", sagte er. "Das gilt auch für die Passfotos." Sein Ministerium werde nun im weiteren Verlauf des Verfahrens prüfen, ob "alternative Modelle" zu dem ursprünglichen Vorschlag der Regierung "ein vergleichbares Schutzniveau bieten und im gleichen Maße das Verwaltungsverfahren für den Bürger vereinfachen und entbürokratisieren können". Betroffene Verbände können hierzu noch bis Ende Januar ihre Einschätzung abgeben.