Die im Rennen um den SPD-Vorsitz gescheiterte Gesine Schwan hat Kritik am Zustand der Partei, aber vor allem an Juso-Chef Kevin Kühnert geäußert. "Ich habe Kevin Kühnert einmal sehr geschätzt. Aber ich gebe zu, dass mich zwei Dinge sehr enttäuscht haben: Er ist leider doch nicht fair, wie ich ursprünglich dachte", sagte Schwan dem Nordkurier. "Das habe ich in den vergangenen Monaten festgestellt. Außerdem hat er die Absprachen beim Mitgliedervotum eingeführt, wodurch das Ziel der Basiswahl torpediert wurde."

Schwan hatte im vergangenen Jahr zusammen mit Ralf Stegner für den SPD-Vorsitz kandidiert. Sie landeten jedoch auf dem letzten Platz. Letztlich hätten nicht die einzelnen Mitglieder entschieden, sondern das Ergebnis sei praktisch "durch das, was man in der Wirtschaft das mittlere Management nennt", vorentschieden gewesen. "Konkret durch den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert und den Landesvorstand von Nordrhein-Westfalen, die sich in einer Wahlempfehlung für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken ausgesprochen hatten. Dem sind viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten der großen Untergliederungen gefolgt."

In der Partei machte Schwan vier Themen aus, bei denen es große Differenzen gebe: Allen voran nannte sie die Asyl- und Flüchtlingspolitik: "Hier gibt es viele gute Beschlüsse, die Führung hat aber immer Angst davor gehabt, dass die Politik Wählerstimmen kostet." Weitere Felder seien die Wirtschafts- und Finanzpolitik, der solidarische Umgang mit den europäischen Nachbarländern sowie ein fehlendes Konzept, wie Ökonomie und Ökologie konkret miteinander vermittelt werden könnten. "Kevin Kühnert schwärmt neuerdings auch von unserer Einigkeit, aber die gibt es nicht wirklich."