Die AfD will bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen einen eigenen Kandidaten aufstellen. "Wir brauchen einen Gegenkandidaten zu Bodo Ramelow", sagte Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke. Man sei auf der Suche nach einem Bewerber, der eine "bürgerliche Mehrheit" hinter sich versammeln könne.

Höcke wies darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine Person aus den Reihen der AfD handeln müsse. Er signalisierte auch, dass er selbst nicht antreten wolle. Es werde einen Gegenkandidaten geben, "um deutlich zu machen, dass wir unser zentrales Wahlversprechen im Auge behalten", sagte der AfD-Politiker, der zum rechtsnationalen Parteiflügel gehört. Auf Nachfrage fügte er hinzu, er wolle auch nicht ausschließen, dass der frühere Bundesverfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) ein geeigneter Kandidat wäre.

Ramelow (Linke) will sich vermutlich Anfang Februar in Thüringen erneut zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Das Bündnis seiner Partei mit SPD und Grünen hat im Landtag allerdings keine Mehrheit mehr. Ein Gegenkandidat im dritten Wahlgang könnte Ramelow am Ende die Wahl erleichtern. Derzeit gibt es eine Diskussion darüber, wie die Thüringer Verfassung auszulegen ist, wenn Ramelow als einziger angetretener Kandidat im dritten Wahlgang möglicherweise mehr Nein- als Ja-Stimmen bekommt. Bei zwei oder mehr Kandidaten im dritten Wahlgang gilt die Verfassung als eindeutig: Gewählt ist dann, wer die meisten Ja-Stimmen bekommt.

Die Regierungsbildung in Thüringen hat sich nach der Landtagswahl am 27. Oktober als schwierig herausgestellt, da keine von den Parteien vor der Wahl ins Gespräch gebrachte Koalition eine Mehrheit auf sich vereinen konnte. Sowohl Linke als auch CDU hatten zuvor ausgeschlossen, mit der AfD zu koalieren, die zweitstärkste Partei wurde. Mitte Januar verständigten sich Linke, SPD und Grüne dann auf einen Vertrag für eine Minderheitsregierung.