Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat nach dem Anschlag von Hanau gefordert, einen Beauftragten
gegen Muslimfeindlichkeit einzusetzen. Es müsse deutlich mehr getan werden, um die Demokratie zu erhalten und zu stärken, sagte er dem Fernsehsender Phoenix. Zudem regte er an, eine Kommission im Bundestag zu konstituieren, "die klar versucht, antimuslimischen Rassismus in unserem Land zu erfassen".

Auf einer Pressekonferenz in Berlin sprach Mazyek angesichts der Tat mit zehn Todesopfern von einer "Situation, die Vorboten hatte", etwa mit dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle im vergangenen Jahr oder mit der Mordserie des NSU. Dies sei "eine Frage der Sicherheitsarchitektur der letzten Jahre", während derer sich die Behörden zu stark auf islamistischen Terrorismus konzentriert hätten. Der Zentralrat der Muslime habe hingegen stets gefordert, andere Formen der Menschenfeindlichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Dies sei nicht geschehen.

Gegenüber Phoenix appellierte er an die Politik, die Schutzmaßnahmen zu erhöhen. "Es kann nicht sein, dass es Moscheen gibt, die schon mehrfach Ausgangspunkt von Anschlägen waren, und die Sicherheitsbehörden sagen: Das ist eine abstrakte Gefahr, wir können keine weiteren Schutzmaßnahmen vornehmen." Er begrüße daher die Vorschläge von NRW-Innenminister Herbert Reul, die 900 Moscheen in Deutschland zum Freitagsgebet zu sichern. Das sei ein wichtiges Zeichen. Letztendlich gehe es nicht um die Stärkung einzelner Minderheiten und Gruppen, sondern "um die Stärkung unserer Demokratie, unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung".

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte am Freitag eine verstärkte Überwachung von "sensiblen Einrichtungen, besonders von Moscheen" zugesagt. Dies habe er am Donnerstagabend mit den Innenministern der Länder vereinbart. Er fordere nicht mehr "Personal oder Paragrafen", sondern die verstärkte Nutzung der bestehenden Möglichkeiten. "Die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in Deutschland ist extrem hoch", so der Minister.