Alexander Mitsch sagt, es sei gut, dass jetzt alles öffentlich wird. Dass seine Spenden an die AfD nun bekannt seien. Am Telefon klingt er fast erleichtert, als er über die beiden Überweisungen spricht, insgesamt 120 Euro. Mitsch ist Vorsitzender der WerteUnion, jenes Vereins, dessen Mitglieder dafür sorgen wollen, dass die CDU wieder konservativer wird. Weg von Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Kurs der Mitte.

Als die CDU in Thüringen in der vergangenen Woche den FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich gemeinsam mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählte, erklärte Mitsch den Zuschauern des ARD-Morgenmagazins am nächsten Tag, dass die Wahl des FDP-Politikers eine erfreuliche Sache sei. Trotz der Stimmen der AfD. Und zog damit den Ärger vieler Parteikollegen auf sich. Als wenig später auch noch herauskam, dass Mitsch nicht nur öffentlich mit der AfD flirtet, sondern auch an sie gespendet hat, wuchs der Ärger weiter. Und während Mitsch erleichtert scheint über die Veröffentlichungen seiner Spenden, hat die CDU-interne Diskussion über den richtigen Umgang mit der WerteUnion erst richtig begonnen. Es steht die Frage im Raum, ob die WerteUnion tatsächlich nur den Kurs der CDU verändern möchte. Oder ein trojanisches Pferd ist für eine Öffnung gegenüber der AfD.

Im Gespräch mit ZEIT ONLINE nennt Herbert Reul, der CDU-Innenminister von Nordrhein-Westfalen, das Verhalten von WerteUnion-Mitgliedern wie Mitsch "unmöglich". Zwar benötige man konservative Stimmen in der Union, sagt Reul, "aber eben keine AfD-Stimmen". Der CDU-Innenpolitiker im Bundestag, Armin Schuster, sieht das anders. "Unser bestes Argument als Volkspartei ist es doch, dass wir einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden, von konservativ bis sozialliberal", sagt Schuster. "Wir müssen reden und die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Union wieder als ihre eigentliche Stärke begreifen."

Ehemalige AfD-Mitglieder im Vorstand der WerteUnion

Das Thema wird die CDU wohl noch länger beschäftigen. Denn nach Informationen von ZEIT ONLINE ist Alexander Mitsch nicht das einzige Mitglied der WerteUnion, das in den vergangenen Jahren enger mit der AfD verbandelt war, als es viele in der CDU geahnt haben dürften. 

Da ist etwa Hinrich Rohbohm, stellvertretender Bundesvorsitzender der WerteUnion, der nach Informationen von ZEIT ONLINE Ende 2013 für wenige Monate Mitglied in der AfD gewesen sein soll. Rohbohm ist auch Reporter für die Junge Freiheit, eine national-konservative Wochenzeitung, die besonders bei Anhängern der AfD beliebt ist. Die Partei rekrutierte mehrere Autoren der Zeitung als Pressesprecher. Auf Anrufe von ZEIT ONLINE und eine Anfrage per E-Mail reagierte Rohbohm nicht.

Oder Klaus-Dieter Kurt, der bis zum Sommer 2015 als Kreissprecher der AfD in Tübingen vorstand und heute Mitglied des Bundesvorstandes der WerteUnion ist. Er sei wegen der Übernahme der AfD durch die Gruppe um Björn Höcke aus der Partei ausgetreten, sagt Kurt am Telefon. Und dann in die CDU eingetreten. "An meiner Haltung hat sich nichts geändert", sagt er. "Ich bin liberal-konservativ." Er fordere schon länger eine stärkere Abgrenzung der WerteUnion von der AfD. "Wir haben mit denen nichts gemeinsam", sagt Kurt.

Angst vor Rache der "grotesk nationalistischen Partei"

Ein weiterer Mann aus dem Bundesvorstand, der bis ins Frühjahr 2017 hinein Mitglied der AfD war, behauptet heute, er sei dort "undercover eingetreten". Ziel sei gewesen, zu sehen, wie es in der AfD wirklich zugehe. Er möchte anonym bleiben, sagt er, weil er Angst vor Rache habe. Die AfD, so seine Erfahrung, sei eine "grotesk nationalistische Partei".

Neben diesen ehemaligen AfD-Mitgliedern finden sich auch weitere AfD-Spender in Führungspositionen der WerteUnion. So überwies ein Mitglied des Bundesvorstands der WerteUnion im August 2016 Geld an die AfD. Für eine Stellungnahme war der Mann nicht erreichbar.

Im Dezember 2016 gingen auch vom Bankkonto von Sven Eppinger, dem stellvertretenden Vorsitzenden der WerteUnion in Sachsen, 30 Euro an die AfD. Aus dem Skiurlaub erklärt Eppinger ZEIT ONLINE am Telefon, er könne sich erinnern, dass seine Frau "das gemacht" habe. Sie hätten ein gemeinsames Konto. Eppinger sagt, dass er gegen die Überweisung gewesen sei, aber seine Frau habe den AfD-internen Umgang mit Frauke Petry als gemein empfunden. Und habe diese dann mit der Überweisung unterstützen wollen. "Frauen sind eben emotional, Männer rational", sagt Eppinger.

Es ist kein eindeutiges Bild, das sich ergibt, wenn man auf die einzelnen Fälle schaut. Die Personen standen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit der AfD in Verbindung und in unterschiedlichem Ausmaß. Aus den meisten Geschichten aber spricht die Suche nach einer politischen Heimat für konservative Haltungen. Die CDU bot diese Heimat offenbar nicht immer.

"Die Feindseligkeiten in den eigenen Reihen sind Gift"

Es mache keinen Sinn, mit Verboten oder Ausschlussverfahren zu arbeiten, sagt CDU-Mann Schuster im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Wenn wir wirklich eine Volkspartei sein wollen, brauchen wir endlich einen anderen Umgang untereinander. Die Feindseligkeiten in den eigenen Reihen sind Gift", sagt Schuster. Das CDU-Vorstandsmitglied Elmar Brok hingegen sagt: "Björn Höcke gab es auch schon 2016, als Mitsch an die AfD gespendet haben soll. Wer Parteien unterstützt, die vom Holocaust als "Vogelschiss" oder von einem "Denkmal der Schande" sprechen, der kann sich schwerlich auf die Werte der CDU berufen." NRW-Innenminister Herbert Reul fordert deshalb, dass seine Partei die Möglichkeit eines Ausschlussverfahren gegen jene CDU-Mitglieder prüfen solle, die offen zur Wahl der AfD aufrufen oder sie, wie im Fall von Mitsch und anderen, mit Spenden unterstützen.

Zwischen Alexander Mitsch und der AfD kam es im Jahr 2016 noch zu einer dritten Überweisung. Im April gingen fünf Euro von Mitsch auf dem Konto der AfD ein. Es ist ein winziger Betrag. Interessant aber ist der Verwendungszweck: "Anmeldung BPT Stuttgart", steht dort. Kurz nach der Überweisung fand in Stuttgart der Bundesparteitag der AfD statt. Am Telefon sagt Alexander Mitsch, er habe nie einen Parteitag der AfD besucht und sich auch nie für einen solchen angemeldet. Es könne aber sein, sagt Mitsch, dass seine Mutter die Veranstaltung besucht habe. Manchmal übernehme er für sie solche Überweisungen. Er könne sich daran aber nicht erinnern.