Nach den heftigen Reaktionen auf die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen und der anschließenden Rücktrittsankündigung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer herrscht Aufruhr in der Union. War es ein Zeichen von Führungsschwäche, dass Kramp-Karrenbauer die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen von Union und AfD ins Ministerpräsidentenamt nicht verhindern konnte? Steht nun die lang aufrechterhaltene Position der Union zur Debatte, weder mit der Linken noch mit der AfD zusammenzuarbeiten? Und wer soll AKK als Parteichef und auch als Kanzlerkandidat beerben: der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, Gesundheitsminister Jens Spahn oder doch Friedrich Merz?  

In diesen Fragen sind sich viele CDU-Wählerinnen und Unionsmitglieder uneins, die ZEIT ONLINE geschrieben haben. Eine Auswahl der Einsendungen finden Sie hier – für eine bessere Lesbarkeit haben wir sie leicht redaktionell bearbeitet und gekürzt. Die ausgewählten Zuschriften sind nicht repräsentativ, jedoch bemühen wir uns, das Meinungsspektrum unserer Leserschaft abzubilden.

Mit der AfD darf es keine Zusammenarbeit geben

Kramp-Karrenbauer war als Parteivorsitzende besser, als ihre öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. Im Fall Thüringen stimme ich inhaltlich mit ihrem Standpunkt und ihren Äußerungen überein. Die Art und Weise des Auftretens war allerdings unglücklich.

Jetzt sollte Armin Laschet übernehmen. Er ist meiner Meinung nach am ehesten in der Lage, die verschiedenen Lager in der CDU zusammenzuhalten und gilt im Allgemeinen nicht als Zögling Merkels.

Mit der AfD darf es weiterhin keine Zusammenarbeit geben. Die CDU kann es sich nicht erlauben, ihre eigenen Werte und den Kern ihres Programms zu verraten und offen mit einer Partei zusammenzuarbeiten, in der Faschisten hohe Ämter bekleiden können. Das wäre für einen Großteil der bisherigen CDU-Wählerschaft der letzte Tropfen und der Todesstoß für die Partei als Volkspartei. Aber auch mit einer Partei wie der Linken kann es keine Zusammenarbeit geben. Kai, 30, CDU-Mitglied aus Thüringen

Jens Spahn wäre die sinnvollste Lösung

Frau Kramp-Karrenbauer hat es nicht geschafft, die CDU hinter sich zu vereinen. Sie zeigte mehrfach Fehler sowie mangelnde Durchsetzungsfähigkeit. Wenn der CDU-Verband in Thüringen sich konsequent weigert, Frau Kramp-Karrenbauers Vorschlägen zu folgen, zeigt das, dass es schon zuvor schwere Vertrauensprobleme innerhalb der CDU gab. Ihr Schritt ist richtig und konsequent.

Eine starke Machtposition, wie sie Frau Merkel hatte und umsetzen konnte, hatte Frau Kramp-Karrenbauer nicht. Daher wird sie eventuell zu Recht als eher schwache Vorsitzende in die CDU-Geschichte eingehen. Zur Frage der Nachfolge: Armin Laschet fehlt das Potenzial, die Bevölkerung in Massen hinter sich zu vereinen, dafür ist er – bei aller Vorsicht mit Populismus – nicht populistisch genug. Weiterhin wird er Probleme haben, die Konservativen und die Ost-Verbände hinter sich zu vereinen und zu beruhigen.

Friedrich Merz hätte das Problem, die progressiven Teile der CDU zu halten, und wäre für den Zusammenhalt in der CDU eher kontraproduktiv, auch wenn viele Konservative ihn förmlich anbeten. Zusätzlich hat er bisher vermissen lassen, dass er willens und fähig ist, diesen Posten auszufüllen. Markus Söder wäre als CSU-Mann in der derzeitigen Situation wohl auch eher ungeeignet.

Daher wäre Jens Spahn die sinnvollste Lösung. Er hat sowohl erzkonservative als auch progressive Vorstellungen, er arbeitet als Minister sehr viel, er hat seine öffentlichen Auftritte in einen staatsmännischen Rahmen zurückgefahren und wäre mit 38 Jahren auch ein Signal der Erneuerung.

Ich hoffe, die Abgrenzung zur AfD hat Bestand, aber es mehren sich Zweifel. Zu viele – wenn auch nicht in der ersten Reihe stehende – Politiker der CDU bringen dieses Szenario ins Spiel. Es wäre zwar ein Worst-Case-Szenario, aber möglicherweise könnte die CDU an dieser Frage in eine West- und Ostpartei zerfallen. Die starke Abgrenzung zur Linken ist dagegen aus demokratietheoretischer Sicht nicht sinnvoll. Die Linke hat zwar durchaus radikale Ideen, aber sie steht fest auf dem Boden des Grundgesetzes und möchte dieses nicht abschaffen. Allerdings sind die politischen Schnittmengen sehr gering. Michael Müller, 37, würde CDU, FDP oder Grüne wählen