In der CDU-Parteizentrale haben sich nach dem Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer erste Interessenten für den Parteivorsitz gemeldet. "Es sind bislang zwei Initiativbewerbungen aus der CDU-Mitgliedschaft eingetroffen", sagte Generalsekretär Paul Ziemiak den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die beiden Bewerber seien jedoch nicht bundesweit bekannt. Eine offizielle Bewerbung von Friedrich Merz sei ihm dagegen nicht bekannt, sagte Ziemiak.

Merz, der frühere Fraktionschef der Union, hat eine definitive Festlegung in der Öffentlichkeit bisher vermieden. Aus seinem engsten Umfeld heißt es aber, er sei zu einer Kandidatur entschlossen. Der Sauerländer kann sich vor allem im Osten Deutschlands auf eine starke Anhängerschaft verlassen. Viele Menschen sehen in ihm den Inbegriff der alten, westdeutschen CDU und einen Mann mit klaren Ansagen.

Neben Merz werden der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn als aussichtsreiche Kandidaten für die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gehandelt. In der kommenden Woche will Kramp-Karrenbauer erste Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen.

Der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktionschef Christian Baldauf hat indes erneut einen Sonderparteitag gefordert, um die Personalfrage noch vor der Sommerpause zu klären. "Ich halte das für dringend geboten, damit wir uns wieder wichtigen inhaltlichen Fragen zuwenden können", sagte Baldauf. Er fügte aber hinzu, die Partei werde sich "die Zeit nehmen, die wir brauchen".

Baldauf sieht innerhalb der CDU zahlreiche geeignete Kandidaten. Es komme nun darauf an, welche Ideen der Kandidat oder die Kandidatin mitbringe und wer am besten geeignet sei, die Partei in die Zukunft zu führen und die Mitglieder hinter sich zu vereinen.   

Österreich wünscht sich politische Klarheit

Auch im Ausland verfolgen Politiker die Personaldebatte. So sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, er wünsche sich rasch klare Verhältnisse in Deutschland. "Wir sind Schwesterpartei und haben daher natürlich ein Interesse daran, dass sich die CDU/CSU gut entwickelt. Und als Nachbarland Deutschlands haben wir natürlich Interesse daran, dass es politische Klarheit in Deutschland gibt", sagte Kurz.

Der Chef der konservativen ÖVP ist jedoch zuversichtlich, dass die ungeklärte Führungsfrage in der CDU keine negativen Folgen auf europäischer Ebene haben wird. Für die deutsche Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union im zweiten Halbjahr habe er "überhaupt keine Bedenken", sagte Kurz. Deutschland sei ein großes und sehr starkes Land mit einer ausgezeichneten Verwaltung. "Deswegen bin ich vollkommen überzeugt davon, dass diese Ratspräsidentschaft eine starke sein wird."