Friedrich Merz ist nach Angela Merkel derzeit der beliebteste Politiker der CDU. Da die Kanzlerin schon länger ihren Rückzug angekündigt hat, steht er praktisch an der Spitze. Das bestätigen die meisten Umfragen der vergangenen Monate, sowohl unter Unionsanhängern als auch in der Gesamtbevölkerung.

Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende tourt durch die Republik, füllt Hallen mit CDU-Anhängerinnen und Anhängern, lässt sich von der Basis feiern, als sei er längst Vorsitzender der Partei. Es wäre für die Christdemokraten in ihrer jetzigen Krise aus mehreren Gründen folgerichtig und angeraten, ihn auch offiziell zum Parteichef und Kanzlerkandidaten zu küren.

Das wichtigste Argument, das für Merz spricht, ist, dass seine Wahl die politische Landschaft in Deutschland insgesamt verändern würde. Merz würde die traditionellen Lager in der Republik wieder beleben und damit nicht allein das Profil seiner eigenen Partei schärfen, sondern gleichzeitig durch eine klare Abgrenzung zum linken Lager auch diesem wieder deutlichere Konturen verschaffen.

Konservativ, aber nicht völkisch

Nur wenn es wieder zu einem echten Antagonismus zwischen den Sozialdemokraten und der Union kommt, können beide Parteien ihre Kernanliegen glaubhaft formulieren. Je wirtschaftsliberaler Merz dabei aufträte, desto besser wäre das für die SPD. Und desto schwieriger würde es für die politischen Ränder, in dieser Debatte noch eine Rolle zu spielen.

Merz wäre aber auch deshalb der Richtige für die CDU, weil er so glaubhaft konservativ ist, dass es ihm gelingen könnte, die Fliehkräfte nach rechts einzuhegen, die seine Partei zu zerreißen drohen. Einem Kandidaten Merz wäre die Unterstützung der WerteUnion sicher, dieser rechten Splittergruppierung in der CDU, die zwar innerparteilich eher unbedeutend ist, aber mit Protagonisten wie dem früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen den medialen Diskurs über die CDU vor allem in Ostdeutschland prägt und die Union vor sich her treibt.

Dass Merz die Union für wie auch immer geartete Bündnisse mit der AfD öffnen könnte, ist dennoch nicht zu erwarten. Merz hat sich immer deutlich gegen die AfD positioniert, er gilt als klar konservativ, hängt aber nicht rechtsnationalem oder völkischem Gedankengut an. Zumindest hat man keine Äußerungen, die in diese Richtung deuten würden, von ihm vernommen.

Es würde nicht nur seiner westfälisch-katholisch geprägten Vita widersprechen, sich mit Rechtsradikalen wie Björn Höcke einzulassen. Merz ist nach seinem Rückzug aus der Politik auch durch und durch ein Mann der Wirtschaft geworden und die hat in Zeiten der Globalisierung mit Nationalismus wenig zu schaffen. Diese internationale Prägung wird ihn dennoch nicht davon abhalten, in Einwanderungsfragen harte Positionen zu beziehen. Hart muss aber nicht gleich rassistisch heißen. Und genau hier verläuft die Grenze zwischen einem Konservativismus, der zur CDU passt, und allem, was die AfD verkörpert.