Annegret Kramp-Karrenbauer will in der kommenden Woche mit Interessenten für ihre Nachfolge und die Kanzlerkandidatur sprechen. Ein entsprechender Bericht der Rheinischen Post wurde ZEIT ONLINE aus CDU-Kreisen bestätigt. Einen genauen Termin gebe es noch nicht.

Als mögliche Bewerber für den CDU-Vorsitz gelten neben Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Als wahrscheinlich gilt zudem, dass sich Kramp-Karrenbauer am Wochenende zudem mit CSU-Chef Markus Söder am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz trifft. Söder gilt neben den CDU-Bewerbern als ein möglicher Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2021.

Für die Wahl zum CDU-Parteivorsitz und zur Nominierung eines Kanzlerkandidaten der Unionsparteien wird nach Informationen von ZEIT ONLINE über einen Sonderparteitag nachgedacht. Ein solcher Parteitag müsste im Bundesvorstand beschlossen werden und bräuchte laut Satzung acht Wochen Vorlauf. Der CDU-Vorstand tagt regulär das nächste Mal am 24. Februar. Damit könnte ein Sonderparteitag frühestens in der zweiten Aprilhälfte stattfinden.

In der CDU wird damit gerechnet, dass ein solcher Sonderparteitag im Mai oder Juni stattfinden könnte. Derzeit wird bereits nach einer Halle für eine solche Veranstaltung gesucht. Beim regulären Bundesparteitag im Dezember in Stuttgart soll es trotzdem bleiben – dort will die Partei ihr neues Grundsatzprogramm beschließen.

Gesundheitsminister Spahn sagte, er sei zur Übernahme von mehr Verantwortung bereit, ohne sich aber direkt zum Parteivorsitz zu äußern. "Ich möchte vor allem jetzt meine Arbeit als Gesundheitsminister machen", sagte Spahn. Er habe immer gesagt, "dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen", sagte das CDU-Präsidiumsmitglied. "In welcher Konstellation das aber geschieht, darüber reden wir jetzt eben in den nächsten Tagen."

Der frühere Fraktionschef Merz bekundete seine Bereitschaft, sich auch einer nicht bindenden Befragung aller rund 400.000 CDU-Mitglieder zu stellen. Bei einer Veranstaltung am Dienstag in Magdeburg hatte er gesagt, von einem verbindlichen Mitgliederentscheid halte er "überhaupt nichts". Der Bild-Zeitung sagte sein Sprecher aber am Mittwoch: "Friedrich Merz ist nicht grundsätzlich gegen eine Beteiligung der Parteimitglieder durch eine Mitgliederbefragung. Die endgültige Entscheidung muss aber auf einem Bundesparteitag der CDU getroffen werden."

Schäuble gegen Zeitdruck

CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer hatte am Montag auf die Kanzlerkandidatur verzichtet und angekündigt, den CDU-Vorsitz in absehbarer Zeit niederzulegen. Nach ihrem ursprünglichen Zeitplan soll erst im Herbst oder Winter über Kanzlerkandidatur und künftige Parteiführung entschieden werden, was in den Unionsparteien aber auf breiten Widerstand stößt. 

Als einer von wenigen prominenten CDU-Vertretern sprach sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in der ZEIT dafür aus, erst Ende des Jahres über diese Personalfragen zu entscheiden. Er wies auf die Bedeutung eines neuen Grundsatzprogramms für seine Partei hin. "Wenn wir glauben, wir müssten die Dinge wieder so machen wie in den Siebziger- und Achtzigerjahren, braucht man uns nicht. Man braucht uns, wenn wir eine Antwort darauf haben, wie die Welt in den Zwanziger- und Dreißigerjahren dieses Jahrtausends funktioniert", sagte der Bundestagspräsident. Dies bezeichnete er auch als Sinn des neuen Grundsatzprogramms – "und damit haben wir noch gar nicht richtig angefangen", so Schäuble. "Deshalb sollten wir jetzt nicht gleich wieder damit aufhören und die Kraft haben, dem Druck einiger Medien nicht nachzugeben und über die personellen Fragen erst Ende des Jahres zu entscheiden."