Der Thüringer CDU-Landespartei- und Fraktionsvorsitzende Mike Mohring hat nach eigenen Worten vor der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen bei der FDP dafür geworben, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen. Wie er dem Spiegel sagte, hatte er den FDP-Landeschef Thomas Kemmerich zuletzt eine Stunde vor der Wahl kontaktiert. "Ich habe ihm noch mal geschrieben, es könnte passieren, dass die AfD ihn wählt", sagte Mohring dem Magazin.

Wie der CDU-Politiker weiter ausführte, sprach er auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer darüber. "Ich habe sie gebeten, FDP-Chef Christian Lindner zu bitten, darauf hinzuwirken, dass es keinen Kandidaten der FDP gibt", zitiert ihn der Spiegel. "Dem Vernehmen nach hat die Parteivorsitzende das auch gemacht, und dafür war ich dankbar."

Am vergangenen Mittwoch war Thomas Kemmerich mit den Stimmen von FDP, CDU und AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt worden. Dies hatte bundesweit Entrüstung ausgelöst. Inzwischen ist Kemmerich zurückgetreten, bleibt aber geschäftsführend im Amt, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt ist.

CDU Thüringen - Mohring kündigt Rückzug an Nach der umstrittenen Ministerpräsidentenwahl tritt Mike Mohring als CDU-Landesvorsitzender zurück. Zuvor verzichtete er auf den Fraktionsvorsitz im Thüringer Landtag. © Foto: Reuters

"CDU war so geschlossen wie seit Monaten nicht mehr"

Vor dieser Situation – dass sich die AfD gegen ihren eigenen Kandidaten stellt und dafür einen Kandidaten von FDP und CDU mitwählt – will Mohring seine Fraktion bereits zuvor gewarnt haben. "Ich habe davor gewarnt, dass es passieren kann, dass die AfD den FDP-Kandidaten mitwählt und der eigene Kandidat nur ein Dummy ist und dass dann ein Tsunami losbräche", sagte der CDU-Politiker dem Spiegel. "Dann habe er die Abgeordneten einzeln abgefragt – "und alle wollten dennoch Kemmerich wählen". Schließlich habe er die Entscheidung seiner Fraktion mitgetragen und auch verteidigt. "So sehe ich meine Aufgabe als Vorsitzender: mich vor meine Leute zu stellen."

Zur Situation nach der Wahl Kemmerichs sagte Mohring dem Spiegel: "Tatsächlich war die CDU in dem Moment so geschlossen wie seit Monaten nicht mehr. Bis am nächsten Morgen mit den Reaktionen aus ganz Deutschland und vor allem aus Berlin das Erwachen kam." Die Intervention der Parteichefin und ihre Forderungen an den Landesverband, nun für Neuwahlen zu sorgen, stieß innerhalb der CDU-Landtagsfraktion auf Widerstand. "Zu möglichen satzungsrechtlichen Maßnahmen gab es großen Unmut, weil ein Ostdeutscher es nun gar nicht leiden kann, wenn jemand aus Berlin mit Sanktionen droht, weil man nicht seiner Meinung folgt", sagte Mohring.

Der CDU-Landeschef lehnt eine Neuwahl weiterhin ab. "Es kann die gleiche Situation entstehen wie jetzt. Was machen wir dann? Sitzen wir wieder da und hauen uns die Unvereinbarkeitsbeschlüsse um die Ohren", sagte er im Spiegel. Mohring selbst will nach Angaben von Parteikreisen in seiner Fraktion die Vertrauensfrage stellen. Dies hätten acht CDU-Abgeordnete beantragt, wie es am Freitag aus CDU-Fraktionskreisen hieß. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt, heißt es: "In den letzten Wochen sind Ereignisse eingetreten, die das Vertrauen in den Vorsitzenden, seine Aufrichtigkeit und Führungsfähigkeit deutlich infrage stellen." Demnach soll es bereits am Mittwoch eine geheime Abstimmung über Mohrings Zukunft als Fraktionsvorsitzenden geben.